Die Dokumentation der Opfer der NS-Herrschaft
in der Stadt Hameln und im Landkreis Hameln-Pyrmont
 

2.  Die Opfer unter den Gefangenen des Zuchthauses Hameln

     Todesorte 2

2.4  Nach der Verschleppung aus dem Zuchthaus Hameln in andere Strafanstalten

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Diseur, Leon

Belgier, wurde am 23. März 1923 in Brüssel-St. Gilles geboren. Der Student wohnte in Brüssel-Schaerbeek, rue Guido Gezelle 31.
Als Mitglied einer Brüsseler Widerstandsgruppe war Leon Diseur 1941 an einem Anschlag auf ein Munitionsdepot der Wehrmacht beteiligt. Daraufhin nahm ihn die Geheime Feldpolizei am 14. Oktober 1941 in seiner Wohnung fest und sperrte ihn in das zentrale deutsche Wehrmachtsgefängnis Brüssel-St. Gilles.
Am 30. Januar 1942 wurde Leon Diseur heimlich, bei „Nacht und Nebel“, nach Deutschland in das Gestapo-Gefängnis Brauweiler bei Köln verschleppt. Dort musste er über acht quälend lange Monate bleiben, bevor er am 15. Oktober 1942 – mit drei oder mehr späteren belgischen NN-Gefangenen des Zuchthauses Hameln – in das Untersuchungsgefängnis Bochum gebracht wurde.
Am 22. Mai 1943 wurde Leon Diseur mit einem großen Sammeltransport von 150 NN-Gefangenen aus dem Gefängnis Bochum in das Zuchthaus Hameln verlegt. Für NN-Gefangene bestand auch in Hameln eine strenge Isolationshaft mit Informations- und Kontaktverbot.
Am 19. Januar 1944 wurde Leon Diseur in das Strafgefangenenlager Esterwegen, eines der KZ-artigen Moorlager im Emsland, verschleppt.
Damit teilte er das Schicksal von mehr als 50 Männern des NN-Transportes vom 22. Mai 1943, die zumeist Anfang 1944 von Hameln nach Esterwegen kamen.
Spätestens jetzt wird Leon Diseur vor dem (vor Ort tagenden) Sondergericht Essen gestanden haben. Es verurteilte ihn zu zwei Jahren Zuchthaus wegen Mitgliedschaft in einer illegalen Organisation.
Im weiteren Verlauf des Jahres 1944 lieferte die NS-Justiz NN-Gefangene an die Gestapo aus, so auch Leon Diseur.
Die Gestapo verschleppte ihn über das Gefängnis Lingen, wo er am 15. Mai 1944 einsaß, in das KZ Sachsenhausen und von dort am 9. Februar 1945 weiter in das KZ Bergen-Belsen.
Leon Diseur kam am 3. März 1945 im KZ Bergen-Belsen um.

Gruppenzugehörigkeit:  Zuchthausgefangene / Strafanstalten / Esterwegen

Donnais, Edouard

Belgier, wurde am 28. März 1894 in Mouscron bei Kortryk geboren. Der Wollarbeiter wohnte in Mouscron, rue de nouveau monde 525.
Als Widerstandskämpfer am 18. April 1942 in Mouscron bei „Nacht und Nebel“ verhaftet, wurde Edouard Donnais am 30. Juli 1942 als NN-Gefangener heimlich nach Deutschland in das Untersuchungsgefängnis Bochum verschleppt. Das Sondergericht Essen verurteilte ihn in einem Massenprozess gegen Widerstandskämpfer am 16. Dezember 1942 wegen „bolschewistischer Umtriebe“ zu einer drastischen Freiheitsstrafe.
Zusammen mit vielen anderen kurz zuvor verurteilten Belgiern und Franzosen kam Edouard Donnais Anfang 1943 aus dem Gefängnis Bochum in das Zuchthaus Hameln.
Mit einem Sammeltransport von 80 westeuropäischen, vor allem belgischen Widerstandskämpfern wurde Donnais am 19./20. Mai 1943 in das Zuchthaus Sonnenburg/Neumark in Ostbrandenburg verlegt.
Edouard Donnais war vermutlich seit November 1944 Häftling im KZ Sachsenhausen, womöglich aber erst seit Anfang 1945, nachdem Sonnenburger Gefangene beim Herannahen der Ostfront auf einen Todesmarsch Richtung Westen gezwungen worden waren.
Edouard Donnais starb nach dem 1. April 1945 im KZ Sachsenhausen.

Gruppenzugehörigkeit:  Zuchthausgefangene / Strafanstalten / Sonnenburg

Doom, Jan (Dom, Jean)

Belgier, wurde am 21. Mai 1902 in Antwerpen geboren. Der Schlosser wohnt in Brüssel-Schaerbeek, rue de Palais 151-153.
Jan Doom soll seit Juni 1941 einer Widerstandsgruppe angehört haben. Er verteilte die konservative Untergrundzeitung „La Libre Belgique“ und war an einem Anschlag auf ein Waffendepot der deutschen Besatzungsmacht beteiligt. Am 23. September 1941 wurde er in Schaerbeek festgenommen und in das zentrale deutsche Wehrmachtsgefängnis Brüssel-St. Gilles gesperrt.
Wohl Anfang 1942 – womöglich wie andere NN-Gefangene, die später in Hameln waren, am 30. Januar – wurde Jan Doom heimlich, bei „Nacht und Nebel“, nach Deutschland in das Gestapo-Gefängnis Brauweiler bei Köln verschleppt. In der Gewalt der Gestapo dürfte er mehrere Monate geblieben sein, bevor er in das Gefängnis Bochum gebracht wurde, womöglich wie andere Gefangene am 15. Oktober 1942.
Am 22. Mai 1943 kam Jan Doom mit einem großen Sammeltransport von 150 NN-Gefangenen aus dem Gefängnis Bochum in das Zuchthaus Hameln. Für NN-Gefangene bestand auch in Hameln eine strenge Isolationshaft mit Informations- und Kontaktverbot.
Am 22. April 1944 wurde Jan Doom in das Strafgefangenenlager Esterwegen, eines der KZ-artigen Moorlager im Emsland, verschleppt. Damit teilte er das Schicksal von mehr als 50 Männern des NN-Transportes vom 22. Mai 1943, die zumeist Anfang 1944 von Hameln nach Esterwegen kamen.
Spätestens jetzt wird Jan Doom vom vor Ort tagenden Sondergericht Essen verurteilte worden sein, vermutlich zu einer mehrjährigen Freiheitsstrafe.
Jan Doom starb am 3. März 1945 im Strafgefangenenlager Esterwegen.
Laut Mitteiliung der Gedenkstätte Esterwegen (email vom 23.5.2018) verstarb Jan Doom bereits am 7. März 1944 im Strafgefangenenlager Esterwegen (Kreisarchiv Esterwegen Rep. 500 Nr. 1210-031 / Standesamt Esterwegen, Sterberegister). Danach wurde Jan Doom früher als oben angegeben nach Esterwegen verschleppt.

Gruppenzugehörigkeit:  Zuchthausgefangene / Strafanstalten / Esterwegen

Dorin, Otto

wurde am 2. Oktober 1905 in Gelsenkirchen-Buer im Kreis Recklinghausen geboren. Der Zigarrenhändler wohnte in Bad Oeynhausen, Weststr. 10.
Am 18. Dezember 1936 zu einer mehrjährigen Freiheitsstrafe verurteilt, kam Otto Dorin am 2. Februar 1937 aus dem Gerichtsgefängnis Bielefeld zur Strafverbüßung in das Zuchthaus Hameln.
Anschließend wurde er zur Sicherungsverwahrung in das Zuchthaus Butzbach verlegt.
Otto Dorin starb am 16. Januar 1944 im Zuchthaus Butzbach.

Gruppenzugehörigkeit:  Zuchthausgefangene / Strafanstalten / Weitere

Druet, Jacques

Belgier, wurde am 12. November 1922 in Brüssel-Ixelles geboren. Der Student wohnte in Braine l´Alleud bei Brüssel, rue Odegaicen 64.
Als Widerstandskämpfer am 12. März 1942 in Braine l´Alleud bei „Nacht und Nebel“ verhaftet und zunächst im Gefängnis von Brüssel-St. Gilles festgehalten, wurde Jacques Druet am 28. Juli 1942 als NN-Gefangener heimlich nach Deutschland in das Untersuchungsgefängnis Bochum verschleppt. Das Sondergericht Essen verurteilte ihn am 12. Februar 1943 wegen „verbotenen Waffenbesitzes“ zu einer hohen Freiheitsstrafe.
Zusammen mit vielen anderen kurz zuvor verurteilten Belgiern und Franzosen kam Jacques Druet wenig später aus dem Gefängnis Bochum in das Zuchthaus Hameln.
Mit einem Sammeltransport von 80 westeuropäischen, vor allem belgischen Widerstandskämpfern wurde Druet am 19./20. Mai 1943 in das Zuchthaus Sonnenburg/Neumark in Ostbrandenburg verlegt.
Jacques Druet überlebte diesen Transport nicht lange, er starb am 8. Juni 1943 im Zuchthaus Sonnenburg.

Gruppenzugehörigkeit:  Zuchthausgefangene / Strafanstalten / Sonnenburg