Die Dokumentation der Opfer der NS-Herrschaft
in der Stadt Hameln und im Landkreis Hameln-Pyrmont
 

2.  Die Opfer unter den Gefangenen des Zuchthauses Hameln

     Todesorte 2

2.4  Nach der Verschleppung aus dem Zuchthaus Hameln in andere Strafanstalten

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Buys, Jozef

Belgier, wurde am 25. Januar 1895 in Aalst, Ostflandern, geboren. Der Kaufmann wohnte in Aalst, Sint-Janstr. 10. Er war verheiratet und hatte zwei Kinder.
Jozef Buys war Mitglied der Widerstandsgruppe „B.V.L.“ (niederl.: „Bevrijdingsleger“/„Belgisch Vrijwilligerslegioen“; franz.: „A.L.“ = „armée de la libération“).
Die Geheime Feldpolizei verhaftete ihn am 12. Oktober 1942 bei „Nacht und Nebel“ und lieferte ihn zunächst in das deutsche Wehrmachtsgefängnis Gent ein.
Vermutlich um die Jahreswende 1942/43 wurde Jozef Buys heimlich nach Deutschland in das Gefängnis Bochum verschleppt.
Am 22. Mai 1943 kam Jozef Buys mit einem großen Sammeltransport von 150 NN-Gefangenen in das Zuchthaus Hameln. Für NN-Gefangene bestand auch in Hameln eine strenge Isolationshaft mit Informations- und Kontaktverbot.
Am 29. April 1944 wurde Jozef Buys zusammen mit knapp 70 Belgiern und Franzosen des genannten Transports in das nicht von alliierten Bomben bedrohte Zuchthaus Groß Strehlitz in Oberschlesien weiterverlegt, den zentralen Zielort für NN-Verschleppte seit Frühjahr 1944 und bis zur Deportation in KZs im Herbst 1944.
Mit Räumung dieses Zuchthauses am 30. Oktober 1944 vor der herannahenden Roten Armee wurde Jozef Buys auf einen mörderischen Todesmarsch zum KZ Groß Rosen in Niederschlesien gezwungen, den er wie Hunderte seiner zumeist belgischen Leidensgenossen nicht überlebte.
Jozef Buys starb am 20. November 1944 im KZ Groß Rosen.

Gruppenzugehörigkeit:  Zuchthausgefangene / Strafanstalten / Groß Strehlitz

Calle, Edouard

Belgier, wurde am 19. Januar 1911 in St. Amandsberg geboren. Der Gastwirt wohnte in Lokeren, Markt 33.
Als Widerstandskämpfer am 26. September 1942 bei „Nacht und Nebel“ verhaftet und zunächst im Gefängnis von Gent festgehalten, wurde Edouard Calle am 24. März 1943 als NN-Gefangener heimlich nach Deutschland in das Untersuchungsgefängnis Bochum verschleppt.
Edouard Calle gehörte einem großen Sammeltransport von 150 NN-Gefangenen aus dem Gefängnis Bochum an, der am 22. Mai 1943 im Zuchthaus Hameln eintraf.
Der „Volksgerichtshof“ Berlin verurteilte Calle in einem Massenprozess gegen Widerstandskämpfer am 21. Oktober 1943 wegen „Vorbereitung zum Hochverrat“ zu einer hohen Freiheitsstrafe.
Gemeinsam mit drei im selben Prozess verurteilten Belgiern wurde Eduard Calle am 26. Januar 1944 in das Zuchthaus Sonnenburg/Neumark in Ostbrandenburg verlegt.
Eduard Calle starb vermutlich im August 1944 im Zuchthaus Sonnenburg.

Gruppenzugehörigkeit:  Zuchthausgefangene / Strafanstalten / Sonnenburg

Callevaert, Louis

Franzose, wurde am 13. April 1900 in Tourcing bei Roubaix, nahe der belgischen Grenze, geboren. Der Monteur wohnte in Tourcing, Rue de Houmpline 176.
Als Widerstandskämpfer 1942 bei „Nacht und Nebel“ verhaftet, wurde Louis Callevaert vermutlich 1943 heimlich nach Deutschland in das Untersuchungsgefängnis Bochum verschleppt.
Am 22. Mai 1943 kam Louis Callevaert mit einem großen Sammeltransport von 150 NN-Gefangenen aus dem Gefängnis Bochum in das Zuchthaus Hameln.
Am 29. April 1944 wurde Louis Callevaert zusammen mit knapp 70 Belgiern und Franzosen des genannten Transports in das Zuchthaus Groß Strehlitz in Oberschlesien weiterverlegt.
Im weiteren Verlauf des Jahres 1944 wurde Louis Callevaert in das KZ Groß Rosen in Niederschlesien verschleppt. Die letzte Nachricht über Callevaert stammt vom Februar 1945 aus dem KZ.
Louis Callevaert ist verschollen; vermutlich ist er im KZ Groß Rosen oder auf einem der Todesmärsche in Richtung Westen umgekommen.

Gruppenzugehörigkeit:  Zuchthausgefangene / Strafanstalten / Groß Strehlitz

Campion, Leon

Belgier, wurde am 17. August 1902 in Bruzet bei Nivelles in Wallonisch-Brabant südlich von Brüssel geboren. Der Buchhalter wohnte in Brüssel-Evere, Avenue Pater Damian 43. Er war verheiratet und hatte ein Kind.
Als Widerstandskämpfer bei „Nacht und Nebel“ Anfang 1942 verhaftet und zunächst vermutlich im zentralen deutschen Wehrmachtsgefängnis Brüssel-St. Gilles festgehalten, wurde Leon Campion heimlich nach Deutschland in das Gefängnis Bochum verschleppt.
Wegen Spionage verurteile ihn der vor Ort tagende Berliner „Volksgerichtshof“ am 26. Februar 1943 zu zwölf Jahren Zuchthaus. Das höchste NS-Gericht war insbesondere für „schwere Fälle“ zuständig.
Zur 'Strafverbüßung' wurde Leon Campion nach einem Monat, am 24. März 1943, zunächst in das Zuchthaus Hameln verlegt. Für NN-Gefangene bestand auch in Hameln eine strenge Isolationshaft mit Informations- und Kontaktverbot.
Mit einem Sammeltransport von 80 vor allem belgischen Widerstandskämpfern wurde Leon Campion am 19./20. Mai 1943 in das Zuchthaus Sonnenburg/Neumark in Ostbrandenburg überführt. Dort saßen zwischen 1942 und 1945 über 1500 NN-Gefangene strikt isoliert ein und mussten überharte, für viele zum Tod führende Zwangsarbeit leisten.
Leon Campion starb am 10. August 1944 im Zuchthaus Sonnenburg.

Gruppenzugehörigkeit:  Zuchthausgefangene / Strafanstalten / Sonnenburg

Claes, Eugen

Belgier, wurde am 17. Juli 1905 in Brüssel-Ixelles geboren. Der Angestellte wohnte in Brüssel-Etterbeek, rue Ph. Baucq 90.
Als Widerstandskämpfer bei „Nacht und Nebel“ am 29. Oktober 1941 in Brüssel verhaftet und zunächst vermutlich im Gefängnis Brüssel-St. Gilles festgehalten, wurde Eugen Claes heimlich nach Deutschland in das Untersuchungsgefängnis Bochum verschleppt.
Am 22. Mai 1943 kam Claes mit einem großen Sammeltransport von 150 NN-Gefangenen aus Bochum in das Zuchthaus Hameln.
Am 12. Januar 1944 wurde Eugen Claes in das Strafgefangenenlager Esterwegen, eines der KZ-artigen Moorlager im Emsland, gebracht, vermutlich um vom Sondergericht Essen oder vom Berliner „Volksgerichtshof“ abgeurteilt zu werden.
Dass Claes im weiteren Verlaufe des Jahres 1944 in das Zuchthaus Sonnenburg (oder das Zuchthaus Groß Strehlitz) verschleppt wurde, ist wahrscheinlich, da die meisten belgischen Lagerinsassen nach Osten „evakuiert“ wurden.
Eugen Claes war gegen Kriegsende Häftling im KZ Langenstein-Zwieberge, einem Außenlager des KZ Buchenwald südlich von Halberstadt; dorthin war er vermutlich im Zuge eines Todesmarsch nach Westen Anfang 1945 gelangt.
Eugen Claes starb kurz nach der Befreiung, am 19. Mai 1945 im vormaligen KZ Langenstein.

Gruppenzugehörigkeit:  Zuchthausgefangene / Strafanstalten / Sonnenburg