Die Dokumentation der Opfer der NS-Herrschaft
in der Stadt Hameln und im Landkreis Hameln-Pyrmont
2. Die Opfer unter den Gefangenen des Zuchthauses Hameln
Todesorte 2
2.4 Nach der Verschleppung aus dem Zuchthaus Hameln in andere Strafanstalten
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Guilini, Jean
Belgier, wurde am 29. Juni 1912 in Blankenberge geboren. Der Gastwirt wohnte in Blankenberge.
Als Widerstandskämpfer vermutlich 1942 verhaftet, wurde Jean Guilini als NN-Gefangener heimlich nach Deutschland in das Untersuchungsgefängnis Bochum verschleppt.
Am 22. Mai 1943 kam Jean Guilini mit einem großen Sammeltransport von 150 NN-Gefangenen aus Bochum in das Zuchthaus Hameln.
Am 22. September 1943 wurde Jean Guilini zusammen mit seinen belgischen Leidensgenossen Robert Claeys und Edmond de Snerk über das Gefängnis Magdeburg in das Zuchthaus Brandenburg weiterverlegt. Der Berliner „Volksgerichtshof“ verurteilte Jean Guilini wegen Spionage zum Tode.
Jean Guiline wurde am 22. Mai 1944 in der Hinrichtungsstätte des Zuchthauses Brandenburg mit dem Fallbeil getötet.
Gruppenzugehörigkeit: Zuchthausgefangene / Strafanstalten / Brandenburg
Hamester, Emil
wurde am 23. Dezember 1894 in Friedrichskoog geboren. Der Landarbeiter wohnte in Friedrichskoog.
Am 2. Februar 1944 nach „Kriegssonderstrafrecht“ verurteilt, verbrachte Emil Hamester die ersten Monate seiner Zuchthaus-Gefangenschaft in Celle.
Am 8. August 1944 wurde er mit einem Transport von 100 Gefangenen in das Zuchthaus Hameln verlegt.
Wie die Mehrzahl der Transportteilnehmer kam er in das neu eingerichtete Zuchthaus-Außenlager Holzen zum mörderischen Arbeitseinsatz; diesen überlebten mindestens 36 Mann der Erstbelegung nicht lange. Noch im August 1944 erkrankte Emil Hamester, so dass er wohl als nicht „außenarbeitsfähig“ zurück nach Hameln gebracht wurde.
Anschließend musste er als Mitglied eines Außenkommandos in der Rüstungsfabrik Domag Schwerstarbeit verrichten.
Emil Hamester gehörte einem knapp 20köpfigen Transport vor allem vormaliger Celler Häftlinge an, der am 18. Januar 1945 von Hameln zum Zuchthaus Celle abging.
Emil Hamester starb am 21. März 1945 im Zuchthaus Celle, womöglich infolge der auf den beiden Außenkommandos erlittenen Strapazen.
Gruppenzugehörigkeit: Zuchthausgefangene / Strafanstalten / Celle
Hennemont, Georges
Belgier, wurde am 15. Mai 1899 in Verviers, Provinz Lüttich, geboren. Der Lagerverwalter wohnte in Andrimont in der Provinz Lüttich, rue Albert Serclases 67. Er war verheiratet und hatte einen Sohn.
Georges Hennemont war seit 15. März 1942 ein sehr aktives Mitglied einer Vorläufergruppe der „armée secrète“, der größten, konservativen Widerstandsorganisation Belgiens: Er war an der Rekrutierung neuer Mitglieder und der Verbreitung von Untergrund-Zeitungen ebenso beteiligt wie an Sabotageaktionen gegen die Stromversorgung der Besatzungsmacht.
Deshalb sowie wegen Waffen- und Sprengstoffbesitzes nahm die Geheime Feldpolizei aus Lüttich Georges Hennemont in seiner Wohnung am 22. Mai 1942 bei „Nacht und Nebel“ fest und brachte ihn in das Besatzer-Gefängnis der Zitadelle Lüttich.
Über das deutsche Wehrmachtsgefängnis Lüttich-St.-Leonard wurde Georges Hennemont am 18. November 1942 heimlich nach Deutschland in das Gefängnis Bochum verschleppt.
Am 22. Mai 1943 kam Georges Hennemont mit einem großen Sammeltransport von 150 NN-Gefangenen in das Zuchthaus Hameln. Für NN-Gefangene bestand auch in Hameln eine strenge Isolationshaft mit Informations- und Kontaktverbot.
Am 29. April 1944 wurde Georges Hennemont zusammen mit knapp 70 Belgiern und Franzosen des genannten Transports in das von alliierten Bomben nicht bedrohte Zuchthaus Groß Strehlitz in Oberschlesien weiterverlegt, den zentralen Zielort für NN-Verschleppte seit Frühjahr 1944 und bis zur Deportation in KZs im Herbst 1944.
Mit Räumung dieses Zuchthauses am 30. Oktober 1944 vor der herannahenden Ostfront wurde Georges Hennemont auf einen mörderischen Todesmarsch zum KZ Groß Rosen in Niederschlesien gezwungen, den er wie Hunderte seiner vornehmlich belgischen Leidensgenossen nicht überlebte.
Georges Hennemont starb am 8. Januar 1945 im KZ Groß Rosen.
Nach Auskunft der Familie hatte Georges Hennemont zwei Söhne; der ältere Sohn, Roger, war ebenfalls im Widerstand und wurde zusammen mit seinem Vater verhaftet und wie dieser nach Deutschland verschleppt. Er überlebte das KZ Dachau und kehrte nach der Befreiung zurück in seine Heimat. Roger Hennemont starb im Dezember 2015 (Roberte van Houte, email vom 7. Februar 2016).
Gruppenzugehörigkeit: Zuchthausgefangene / Strafanstalten / Groß Strehlitz
Hertegant, Emil
Belgier, wurde am 22. August 1919 in Berlaere geboren. Der Student wohnte in Berlaere, Daaldreef 10.
Als Widerstandskämpfer und Mitglied der „Belgischen Freiwilligen Legion“ in Ostflandern bei „Nacht und Nebel“ verhaftet und heimlich nach Deutschland verschleppt, kam Emil Hertegant in einer Gruppe von 13 belgischen NN-Gefangenen über das Strafgefängnis Vechta am 15. September 1943 in das Zuchthaus Hameln.
Der Berliner „Volksgerichtshof“ verurteilte Hertegant und 20 andere belgische NN-Gefangene aus Hameln zwischen dem 20. und 22. Oktober wegen „Feindbegünstigung“ und teils wegen „Freischärlerei“ zum Tode.
Anschließend nach Hameln zurückverlegt, wurden die 21 Männer am 9. November 1943 zur Hinrichtung in das Zuchthaus Brandenburg gebracht.
Emil Hertegant war einer von fünf Männern, die als erste am 15. November 1943 mit dem Fallbeil getötet wurden.
Gruppenzugehörigkeit: Zuchthausgefangene / Strafanstalten / Brandenburg
Hick, Leopold
Belgier, wurde am 20. Mai 1906 in Limbourg-Goé in der Provinz Lüttich geboren. Der Maschinist wohnte in Limbourg-Goé, rue Stevreuret. Er war verheiratet und hatte drei Kinder.
Leopold Hick gehörte dem Widerstand in den belgischen Grenzgemeinden an, die 1940 zusammen mit Eupen-Malmedy ganz oder teils von NS-Deutschland annektiert worden waren. Die Gestapo verhaftete ihn vermutlich 1942 (im Sommer?) „bei Nacht und Nebel“ und verschleppte ihn womöglich in das Gefängnis Aachen.
Spätestens Anfang 1943 dürfte er heimlich nach Deutschland in das Gefängnis Bochum deportiert worden sein.
Am 22. Mai 1943 kam Leopold Hick mit einem großen Sammeltransport von 150 NN-Gefangenen aus dem Gefängnis Bochum in das Zuchthaus Hameln. Für NN-Gefangene bestand auch in Hameln eine strenge Isolationshaft mit Informations- und Kontaktverbot.
Am 29. April 1944 wurde Leopold Hick zusammen mit knapp 70 Belgiern und Franzosen des genannten Transports in das von alliierten Bomben nicht bedrohte Zuchthaus Groß Strehlitz in Oberschlesien weiterverlegt, den zentralen Zielort für NN-Verschleppte seit Frühjahr 1944 und bis zur Deportation in KZs im Herbst 1944.
Mit Räumung dieses Zuchthaus am 30. Oktober 1944 vor der herannahenden Roten Armee wurde Leopold Hick auf einen mörderischen Todesmarsch zum KZ Groß Rosen in Niederschlesien gezwungen, dem Hunderte seiner zumeist belgischen Leidensgenossen zum Opfer fielen.
Als das KZ bis Anfang Februar 1945 ebenfalls geräumt wurde, musste Leopold Hick einen Todesmarsch Richtung Westen mitmachen (zum KZ Buchenwald?), sodann einen Transport nach Österreich, der um den 15. Februar 1945 das KZ Mauthausen erreichte.
Leopold Hick starb am 16. März 1945 im KZ Mauthausen, sicherlich infolge der erlittenen Strapazen.
Gruppenzugehörigkeit: Zuchthausgefangene / Strafanstalten / Groß Strehlitz


