Kriegs- und Kriegerdenkmäler in Hameln und Umland

 
 
Fischbeck und Wehrbergen
 

Ehrenmal der Gemeinden Fischbeck und Wehrbergen für die Opfer des I. Weltkrieges
mit Erweiterung für die Opfer des II. Weltkrieges aus Fischbeck

Standort:                 Fischbeck, Friedhof Lachemer Straße
Material/Bauart:   Gemauerter Kalksandstein-Pfeiler mit eingesetzten Sandstein-Platten.
                                  Dachförmiger Kopf mit Sandsteinplatten gedeckt.
                                  Umfassungsmauer mit eingefügten Sitzbänken.
Entwurf:                  Wilhelm Hauschteck, Bisperode
Errichtung:             1922
Erweiterung:          1961. Entwurf der Anlage: August Grabbe, Fuhlen.
                                  Ausführung vermutlich Steinmetzbetrieb Wilhelm Wedemeier.

 

Inschriften:

Im Pfeiler ist vorn und hinten je eine spitzbogige Platte eingelassen.
Die hintere trägt unter einem Tatzenkreuz die  Widmung

DEN GEFALLENEN
VON FISCHBECK
UND WEHRBERGEN

Die vordere zeigt unter einem Stahlhelm-Relief und der Inschrift

1914–1918
FISCHBECK

die Namen  von 25 Gefallenen.

In der linken und rechten Flanke befindet sich je eine rechteckige Platte mit stufigem Oberteil.
Die Platte der rechten Seite zeigt ein großes Kreuz mit der Fuß-Beschriftung      

FISCHBECK

und darunter weitere 9 Namen;

die linke entsprechend dasselbe Kreuz mit dem Ortsnamen

WEHRBERGEN

und darunter 9 Namen.

Von den 1961 aufgestellten Stelen trägt die auf dem rechten Flügel die Inschrift:

1939-1945
Den Gefallenen zum Gedächtnis
in Ehrfurcht und Trauer
Den Lebenden zur Mahnung
Bewahret der Welt
Frieden und Freiheit

Die auf dem linken Flügel:

Durch Bomben, Flucht
verloret ihr Heimat
und Leben.
Euer Opfer ist unvergessen!

Erste Belege für die Planung datieren vom August 1921. Das Preußische Hochbauamt in Rinteln, das von der Absicht der Gemeinde Fischbeck erfahren hat, macht den Bürgermeister darauf aufmerksam, dass die Errichtung baupolizeilich genehmigt werden muss.  Zugleich wird empfohlen, sich an die „Beratungsstelle für Kriegerehrungen“ in Kassel zu wenden, die eine kostenlose „Beurteilung geplanter Entwürfe ... auch in künstlerischer Hinsicht“ biete. Diese staatlichen Beratungsstellen sollten „künstlerisch minderwertige Kriegerehrungsanlagen“ verhindern. Ob die Gemeinde Fischbeck dieser Anregung folgte, ist nicht bekannt.

Mitte August 1921 bietet der Berliner Bildhauer Victor Seifert seine Dienste an. Den Zuschlag erhält aber der Bisperoder Maler und Architekt Wilhelm Hauschteck (von dem später ein „Süntelbuche“-Bild im Hamelner Rathaus aufgehängt wurde. Noch immer bekannt ist auch sein Band mit Zeichnungen des Stiftes Fischbeck von 1936. Zuletzt stellte er 1958 im Hamelner Kunstkreis aus. Siehe auch zu Hauschteck den Artikel „Kalenderblatt – Kriegerdenkmal“ von B. Gelderblom auf dieser Webseite).

Seine „Ideenskizzen“ vom April 1922 sehen eine „Gedenkhalle für die Gefallenen der Gemeinden Fischbeck und Wehrbergen“ vor und werden im Oktober 1922 vom Landrat in Rinteln „in der geplanten Weise“ genehmigt.

Eine Halle wurde aber nicht gebaut, sicherlich aus Kostengründen. Es hat sich das (undatierte) Manuskript einer Einweihungsrede erhalten, in der betont wird, dass es „in so teurer Zeit“ nicht einfach gewesen sei, „unseren tapferen Söhnen von W. u. F. dieses Denkmal zu errichten“. Der Redner dankt zuerst dem Adeligen Damenstift und der Frau Äbtissin, die den Bauplatz zur Verfügung gestellt haben. Dann allen Einwohnern von Fischbeck, Wehrbergen und Gut Stau, die durch Spenden und Arbeitseinsätze („Fuhren“) das Werk gefördert haben. Besondere Anerkennung gilt dem Architekten, der „uns hier in Fischbeck etwas ganz Eigenartiges und Selbständiges schuf“.  

Der erste Vorschlag einer Umänderung erfolgt zur Zeit der NS-Diktatur, im Jahre 1937. Im Namen des Kriegervereines wendet sich „Kameradschaftsführer“ Quante an den Gemeindebürgermeister Krüger mit dem Wunsche, dass eine „Bedachung des Kriegerdenkmals“ vorgenommen wird. Außerdem möchte man

„eine Plattform ... mit einem Infanteristen oder Landwehrmann mit Vollbart in aufrechter Stellung mit Sturmgepäck, aufgepflanztem Seitengewehr und den Blick nach Westen gerichtet oder der aufgehenden Sonne entgegen“.

Bürgermeister Krüger hält nichts von dem Vorschlag, will sich aber höheren Ortes rückversichern. Er bittet den zuständigen Baurat in Rinteln um ein Gutachten und fügt hinzu:

„Ich bin der Meinung, daß der Vorschlag schlecht ist, vielmehr das Denkmal vollständig umgestaltet werden muß, wozu die Gemeinde wiederum kein Geld hat.“

Zwar hat der Bürgermeister, wie ein Vermerk zeigt, den Baurat „nicht angetroffen“, aber der Wunsch des Kriegervereines wurde nicht erfüllt.
 
Die Erweiterung nach dem Zweiten Weltkrieg brauchte eine Planungs- und Entscheidungsphase von beinahe zehn Jahren. Von Anfang an bemühte sich die Gemeinde um fachmännischen Rat von außen. Ende 1951 bittet Bürgermeister Schaper den Kreisbaurat um Besichtigung des bestehenden Denkmals und Beratung, „wie eine Veränderung am zweckmäßigsten durchgeführt werden könnte.“ Zugleich werden die Fischbecker Architekten Boose und Schulze-Eikenbusch um skizzenhafte Vorschläge ersucht.  

Im März 1952 gründet sich ein Ausschuss „für die Neugestaltung des Kriegerdenkmals“, dem Pastor v. Oppen (für die Kriegsgräberfürsorge), Herr Steinbrink (f. d. Verkehrsverein), die Gemeinderäte Löding und Sommermeier sowie die Äbtissin v. Gersdorff angehören.
 
Im Oktober 1955 bittet Bürgermeister Grope den Landeskonservator in Hannover um „örtliche Beratung“.

Im Juni 1956 wird erneut ein „Denkmals-Ausschuss“ gebildet, der dann beschließt, „das alte Denkmal abzutragen“.

Im Januar 1957 stimmt der Ausschuss über „Pläne und Skizzen des neu zu schaffenden Denkmals“ ab, die der Landeskonservator Dr. Roggenkamp erstellt hat. Danach sollen die Platten mit den Namen der Gefallenen des I. Weltkrieges nicht wieder angebracht, sondern die Namen in einem Gedenkbuch verzeichnet werden. Einige Ausschussmitglieder fahren nach Hannover, um mit dem Landeskonservator das dortige Kriegerdenkmal zu besichtigen.

Im August des Jahres teilt der Bürgermeister dem Steinmetzbetrieb Wedemeier mit, es sei beabsichtigt, das Denkmal des I. Weltkrieges „umzugestalten bzw. abzutragen und ein neues zu errichten für die Gefallenen und Vermissten beider Weltkriege“. Auch hat sich der Ausschuss für einen Sinnspruch und die Anbringung eines Eisernen Kreuzes entschieden.

Eine Woche später jedoch schickt der Landeskonservator einen Entwurf, in dem vorgesehen ist, die alten Namenstafeln wieder einzubauen und neue Namenstafeln für die Gefallenen des II. Weltkrieges zu schaffen.

Nach Ablauf eines weiteren Jahres beschließt der Denkmalsausschuss im Februar 1959 einstimmig, das alte Denkmal bestehen zu lassen, aber so umzugestalten, dass auch den Opfern des Zweiten Weltkrieges „in würdevoller Form gedacht wird“.

12.000 DM soll das neue Ehrenmal kosten, während die Gemeinde nur über Rücklagen von 3.000 DM verfügt. Deshalb beantragt der Bürgermeister umgehend beim Innenministerium die Genehmigung einer Haussammlung.

Dass die Kosten der Hauptgrund für das Hin und Her bei der Entscheidungsfindung waren, wird im Sitzungsprotokoll vom März 1959 deutlich: Die Gemeinde habe sich „entschlossen, aus finanziellen Gründen kein neues Denkmal zu errichten, sondern das alte entsprechend umzugestalten“. Der Architekt Grabbe in Fuhlen soll einen Entwurf anfertigen, der dem Landeskonservator zur Begutachtung vorgelegt wird.

Schon im April erfolgt der Besuch eines Vertreters des Landeskonservators in Fischbeck. Dieser schlägt vor, den bekannten Architekturprofessor Thulesius von der TH Braunschweig einzuschalten.

Das geschieht, und vier Wochen später wird Prof. Thulesius nach Fischbeck eingeladen, zwecks „Entwurfsarbeit für das geplante Ehrenmal“.

Sein Vorentwurf passt dann aber nicht so recht zu dem eigentlich schon beschlossenen Sparkurs der Gemeinde. Thulesius möchte nicht nur ein Denkmal, sondern auch eine Friedhofskapelle bauen und findet eine solche Kombination “recht reizvoll ... Ohne die Kapelle stände doch das Denkmal recht verloren auf der großen Fläche“.

Im Oktober 1959 diskutiert der Denkmalsauschuss Thulesius' Entwurf. Nach einer erneuten Ortsbesichtigung solle nun endlich ein „bindender Beschluss gefasst werden“. Zur Entscheidung stehen drei Möglichkeiten:
a) Das alte Denkmal erhalten und durch Tafeln für die Opfer des II. Weltkrieges ergänzen
b) Die Namensplatten der Wehrberger Gefallenen heraus nehmen und durch Namen von Fischbecker Opfernamen des II. Weltkrieges ersetzen
(Das „treue Zusammengehen“ der „Nachbargemeinden“ Fischbeck und Wehrbergen, das der Eröffnungsredner von 1922 gepriesen hatte, war also Geschichte. Wehrbergen errichtete seinen Gefallenen ein eigenes Denkmal.)
c) Das alte Denkmal abreißen und ein neues errichten.

Die Entscheidung fällt für Variante a aus.
Professor Thulesius reagiert enttäuscht und fällt ein vernichtendes Urteil:
„Es ist schade um jeden Groschen, den man noch für das alte Denkmal ausgibt, denn es ist ganz und gar unwürdig für einen solchen Zweck. Es ist alles andere als eine Ehrung der Toten! Man bedenke doch, welche Kosten es seinerzeit gefordert hat und heute in einer Zeit nie geahnten wirtschaftlichen Aufschwungs begnügt man sich mit einigen Gedenktafeln! Ich kann nur ernstlich warnen vor einer solchen Lösung, mit der die Gemeinde wahrlich keine Ehre einlegen kann!“

Er schlägt vor, den Bau einer Leichenhalle zurück zu stellen und erbietet sich, unentgeltlich andere
Entwürfe vorzulegen - „allerdings nur unter der Bedingung, dass man das alte Denkmal aufgibt. Vielleicht überlegt die Gemeinde doch noch einmal diese Frage, bevor Gelder ausgegeben werden für eine Lösung, mit der die Gemeinde niemals vor dem Urteil der Nachwelt bestehen kann.“

Der Gemeinderat bleibt jedoch bei seinem Beschluss, und Professor Thulesius erhält
sein Honorar von 60 DM.

Im Oktober 1960 zeigt Architekt Grabbe dem Denkmalsausschuss „ein Modell des von ihm entworfenen Ehrenmales“, und vier Wochen später beginnt der Bau mit der Lieferung behauener Sandsteine im Wert von 1002 DM für die „Flügel links und rechts vom bestehenden Denkmal“.

Der heutige Besucher wird das harte Urteil des Architekturprofessors von 1959 wohl nicht teilen. Er wird an viele andere Beispiele denken und diese Anlage, der längst eine Leichenhalle zur Seite gestellt wurde, mit milder Toleranz betrachten.
 


 
Quelle:

 
Autor: Erik Hoffmann

 
Bild