Kriegs- und Kriegerdenkmäler in Hameln und Umland

 
 
Hameln
 

Gedenktafel für das Hamelner Landwehrbataillon
Das Kriegerdenkmal zur Erinnerung an den Deutsch-Französischen Krieg 1870/71
Das Kolonialdenkmal am Saint Maur-Platz
Das Denkmal für die Gefallenen des 164er-Regiments am 164er Ring
Das Ehrenmal für die Toten des Ersten Weltkrieges im Hamelner Münster
Das Ehrenmal für die Toten der Stadtverwaltung im Hochzeitshaus
Das Ehrenmal für die Toten des Zweiten Weltkrieges im Münster
Das Ehrenmal für die Toten des Zweiten Weltkriegs am Münster von 1961
Das Ehrenmal für die Toten des Zweiten Weltkrieges am Friedhof am Wehl
Das Ehrenmal für die Toten auf See
Das Ehrenmal für das 74er Regiment im Invalidengarten
Gedenkstein und Gedicht für die Drei Toten am Klüt
 

Kriegerdenkmäler, die nicht nur an Feldherren oder Offiziere, sondern auch an einfache Soldaten erinnern, entstanden erst seit der Französischen Revolution 1789 und den nach 1810 folgenden Befreiungskriegen in Deutschland. Damals wurde die Kriegsführung durch Freiwilligen-Milizen und später die Einführung der allgemeinen Wehrpflicht vergesellschaftet und gleichzeitig radikalisiert. Erstmals war die breite Masse der Völker als Akteur vom Krieg betroffen. Diese Entwicklung spiegelt sich – zuerst 1870/71 – in der Erwähnung der Namen einfacher Soldaten auf Gedenktafeln und Denkmälern wider.

Der preußische König Friedrich Wilhelm III. schuf im Rahmen der Befreiungskriege am 10. März 1813 mit der Stiftung des Eisernen Kreuzes erstmals einen Orden, dessen Verleihung unabhängig von Stand und Dienstgrad war, der also auch dem einfachen Soldaten verliehen werden konnte.

In der königlichen „Verordnung über die Stiftung eines bleibenden Denkmals für die, so im Kampfe für Unabhängigkeit und Vaterland blieben“, vom 5. Mai 1813 heißt es u.a.:

„§ 1: Jeder Krieger, der den Tod für das Vaterland in Ausübung einer Heldenthat findet, die ihm nach dem einstimmigen Zeugnis seiner Vorgesetzten und Kameraden den Orden des eisernen Kreuzes erworben haben würde, soll durch ein auf Kosten des Staats in der Regimentskirche zu errichtendes Denkmal auch nach seinem Tode geehrt werden. …

§ 3: Außerdem soll für alle, die auf dem Bette der Ehre starben, in jeder Kirche eine Tafel auf Kosten der Gemeinden errichtet werden, mit der Aufschrift: Aus diesem Kirchspiele starben für König und Vaterland: …
Unter dieser Aufschrift werden die Namen aller zu dem Kirchspiel gehörig gewesenen Gefallenen eingeschrieben. Oben an die, welche das Eiserne Kreuz erhalten, oder desselben würdig gewesen wären.“  

Ein Kriegerdenkmal kann grundsätzlich zwei unterschiedliche Funktionen haben.

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Gedenktafel für das von der Schlacht bei Waterloo zurückkehrende Hamelner Landwehrbataillon

Das älteste Hamelner Kriegerdenkmal dürfte die Tafel für das von der Schlacht bei Waterloo zurückkehrende Hamelner Landwehrbataillon sein. Die Schlacht bei Waterloo 1815 bedeutete die endgültige Niederlage Napoleons und damit Ende der französischen Herrschaft über Europa, für Deutschland allerdings auch die Restauration der Fürstenherrschaft statt bürgerlicher Freiheitsrechte.

Die Tafel befindet sich heute an der Südwand der Garnisonkirche am östlichen Ende der Osterstraße. Der oben von einer Ranke aus Eichenblättern gerahmte Text der Tafel lautet:

Heil
den vaterländischen
Kriegern!
Mit Gott haben sie
Thaten gethan.

Den Tapferen welche
den glorreichen Sieg
bey Waterloo
am 18ten Junii 1815
uns und Deutschland
Ruhe und Frieden
erkämpfen halfen,
die dankbaren Bewohner
Hamelns.

Beim Einmarsche des vom
Felde der Ehre
heimkehrenden Haemelschen
Landwehr Bataillons
Den 25ten Januar 1816.

Der Text, der Gefallene nicht erwähnt, vermeidet eine Demütigung des Gegners und gedenkt dankbar der Ruhe und des Friedens, die der Sieg den Menschen gebracht hat.

 
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Das Kriegerdenkmal zur Erinnerung an den Deutsch-Französischen Krieg 1870/71

Eine große Zahl von Kriegerdenkmälern wurde in Deutschland erstmals zur Erinnerung an den deutschen Sieg im Deutsch-Französischen Krieg 1870/71 errichtet. Ihre Inschriften verweisen auf die vorgeblichen Tugenden der Soldaten: Tapferkeit, Mut, Vaterlandsliebe, Treue, Opferbereitschaft, Kameradschaft und Pflichterfüllung bis in den Tod.

Gestiftet wurden die Denkmale, die in der Regel an zentralen öffentlichen Orten stehen, häufig von Kriegervereinen, seltener von den Gemeinden. Dem damaligen öffentlich vorherrschenden nationalen Selbstverständnis folgend werden die Ehrenmäler oft von der Siegesgöttin Viktoria, der Germania oder dem Adler mit ausgebreiteten Schwingen gekrönt. Häufig ist der Obelisk als uraltes Siegeszeichen anzutreffen. Abbildungen von Soldaten finden sich auf den Ehrenmalen von 1870/71 nur sehr selten.

Ein Krieg, also „Blut und Eisen“, – so die dominierende Lesart – hatte den Weg zur deutschen Einigung, zur Gründung des zweiten deutschen Reiches unter preußischer Vorherrschaft geebnet.

Der Sieg über Frankreich löste auch in Hameln eine nationale Hochstimmung aus. Der lokale Kriegerverein sammelte bei der Bevölkerung 600 Taler für ein Denkmal. Am 4. Mai 1872 wandte sich der Verein durch Obergerichtsanwalt Sertürner mit der Bitte an den Magistrat, ein vom Architekten Dreher entworfenes Denkmal auf dem Pferdemarkt aufstellen zu dürfen. Es wurde dann doch ein anderer Ort gewählt, nämlich der Platz vor dem Invalidenhaus, dem damaligen Militärkrankenhaus, am Weserufer (heute St. Maur-Platz). Die Einweihung erfolgte am 2. September 1872.

Das für Hameln geschaffene Denkmal ist ein Beispiel eines sehr stark verbreiteten Typus‘. Der Obelisk, ein altes Siegeszeichen, ist gekrönt vom Adler mit ausgebreiteten Schwingen. Das Denkmal weist neben zahlreichen militärischen Symbolen als Hamelner Besonderheit Stilelemente der Weserrenaissance und auch das Stadtwappen auf.

Auf zwei Tafeln wird der insgesamt 167 Gefallenen des Hamelner Regiments 56 gedacht, wobei nach Offizieren, Unteroffizieren und „Musketieren“ (einfachen Soldaten) unterschieden wird. Nur die sieben gefallenen Offiziere und die zwölf gefallenen Unteroffiziere werden mit Namen genannt, während wir von den einfachen Soldaten nur ihre Anzahl lesen. Eine dritte Tafel hält die Namen von neun Hamelner Bürgersöhnen fest, die in anderen Truppenteilen dienten und ebenfalls fielen.

Die meisten Soldaten starben bei der mörderischen Schlacht von Vionville am 16. August 1870. Auf beiden Seiten wurden jeweils 16.000 Männer getötet. Einzelne Kompanien des Hamelner Regiments verloren bis zu 48 Mann.

Die dem Betrachter zugewandte vierte Tafel enthält die Formulierung:

„Den Gefallenen zum Gedächtnis
Den Lebenden zur Anerkennung
Den kommenden Geschlechtern zur Nacheiferung.“

Der Text ist von der zeitgenössisch vorherrschenden Sichtweise geprägt und typisch für eine Zeit, in der Krieg als legitime und „höchste Form der Selbstbehauptung eines Volkes“ galt.

1875 gestaltete die Stadt den Invalidenplatz zu einem Park um und fasste den Obelisken durch ein Quadrat aus Ketten und vier Kanonenrohren ein. Die Kanonenrohre unterstreichen den wehrhaft-aggressiven Charakter des Denkmals.

Gut 30 Jahre später gesellte sich ein weiteres Kriegerdenkmal hinzu, das Kolonialdenkmal. Es gedachte der siegreichen Feldzüge gegen China zur Niederschlagung des „Boxer-Aufstandes“ (1900) und zur Bekämpfung des „Herero-Aufstandes“ (1904-1907) in Namibia, dem ehemaligen Deutsch-Südwestafrika.

1971 beschloss der Rat, das Denkmal, das an den deutsch-französischen Krieg 1870/71 erinnerte, zu versetzen. Es steht seitdem versteckt auf dem Garnisonfriedhof. Nach der 1968 beschlossenen Partnerschaft mit der französischen Stadt Saint Maur hatte der Rat den Invalidenplatz in Saint Maur-Platz umbenannt und meinte offenkundig, den französischen Gästen ein solches Denkmal an diesem Ort nicht zumuten zu können.

    

Nachweise: Stadtarchiv Hameln Acc. 1 Nr. 1200 und Acc. 004/03 Nr. 26
 

Text der am 5. Oktober 2011 eingeweihten Tafel des Volksbundes

Am 2. September 1872 wurde dieses Kriegerdenkmal zu Ehren der Gefallenen im Invalidengarten (heute St. Maur-Platz) am Weserufer aufgestellt. 1971 fand es hier auf dem Garnisonfriedhof seinen Platz.

Der Obelisk erinnert an die insgesamt 167 Gefallenen des Hamelner Regiment 56 im deutsch-französischen Kriege von 1870/71. Die Inschrift unterscheidet die Toten nach Offizieren, Unteroffizieren und „Musketieren“ (einfachen Soldaten), wobei die Vertreter der beiden ersten Gruppen mit Namen genannt werden, während wir von den einfachen Soldaten nur ihre Anzahl lesen. Die meisten Soldaten starben bei der überaus verlustreichen Schlacht von Vionville am 16. August 1870. Auf einer weiteren Tafel nennt die Inschrift neun Namen von Hamelner Bürgersöhnen, die überwiegend in anderen Truppenteilen dienten und ebenfalls aus dem Krieg nicht zurück kamen.

Der Krieg von 1870/71, also „Blut und Eisen“, ebnete den Weg zur Einigung des Deutschen Reiches unter Bismarck. Das löste auch in Hameln eine nationale Hochstimmung aus.

Die hohe Anzahl der Toten allein aus Hameln führt uns eindrucksvoll den Widersinn von Kriegen vor Augen. Dieses Denkmal soll uns eine Mahnung vor den Folgen jeden Krieges und vor übersteigertem Nationalismus sein. Von ihm muss die Hoffnung auf ein geeintes Europa und für eine friedvolle Zukunft ausgehen.

 
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Das Kolonialdenkmal am Saint Maur-Platz

Das Kolonialdenkmal steht am Weserufer im ehemaligen Invalidengarten, dem heutigen Saint Maur-Platz. Es nennt auf seiner der Weser zugewandten Seite vier Hamelner Gefallene der „China-Expedition“ und auf der Rückseite die Namen von acht heimischen Freiwilligen, die in Deutsch-Südwestafrika starben. Beide Tafeln wurden 1908 auf einem erhöhten Sockel aus Findlingen eingeweiht.

Die beiden Inschriften lauten:

Es starben für‘s Vaterland
aus dem Kreise Hameln
Expedition gegen China
Uffz. W. Kulle Inf. Regt. 164
Geb. 4.3.79 Diemarden gest. 18.2.02 Laz. Hameln
Einj. Freiw. Gefrt. Fr. Schrader
Geb. 5.4.76 Behrensen gest. 12.10.00 Peking
Freiw. Fr. Brauns
Geb. 17.3.79 Salzhemmendorf gest. 28.8.00 Peking
Freiw. H. Morch Inf. Regt. 164
Geb. 1.4.79 Neu-Wustegiersdorf gest. 17.10.00 Tientsin

Es starben für‘s Vaterland
aus dem Kreise Hameln
Aufstand in Südwestafrika
Leutn. H. v. Heyden Inf. Regt. 164
Geb. 13.6.82 in Slaikov gest. 18.8.06 Moibis
Sergt. H. Reese Inf. Regt. 164
Geb. 22.7.75 Ottenstein gest. 2.10.04 Waterberg
Uffz. A. Laudon Inf. Regt. 164
Geb. 3.7.81 Hameln gest. 13.11.05 Deutsch Erde
Gefr. Fr. Bungenstock
Geb. 9.3.81 Hagenohsen gest. 4.12.04 Okanhandja
Reiter A. Ebisch
Geb. 21.10.71 gest. 5.4.96 Gobabis
Reiter K. Müller Inf. Regt. 164
geb. 30.5.83 Worin gest. 27.5.04 Windhuk
Reiter A. Schmeisser (Griessem)
Geb. 5.1.81 Elberfeld gest. 15.12.04 Koes
Reiter W. Schramme
Geb. 28.2.85 Hameln gest. 9.1.06 Alurisfontein

In beiden Kriegen hat das deutsche Kaiserreich rücksichtslos seine kolonialen Interessen verfolgt. Die Weltmächte teilten damals China in Einflusssphären auf. Der sog. „Boxer“-Aufstand, bei dem am 25. Juni 1900 der deutsche Gesandte in Peking, Freiherr von Ketteler, getötet wurde, rief alle europäischen Großmächte, aber auch Japan und die USA, auf den Plan. Hinter der „China-Expedition“ standen handfeste wirtschaftliche Interessen. Deutschland besaß z.B. im Hafen Tsingtau eine Marine- und Bunkerstation.

Die multinationale Streitmacht wurde dem deutschen General Alfred Graf Waldersee unterstellt. Freiwillige aus dem ganzen Kaiserreich meldeten sich, darunter zwei Offiziere, vier Unteroffiziere und 36 Mannschaften des Hamelner Regiments 164. Organisiert durch den Deutschen Flottenverein, das Deutsche Hilfskomitee für Ostasien, die Vaterländischen Frauenvereine etc. fanden in Hameln intensive Sammlungen für die Soldaten statt.

Der Kaiser verabschiedete die Truppe in Wilhelmshaven mit der Parole:

„Pardon wird nicht gegeben. Gefangene werden nicht gemacht. … Möge der Name ‚Deutscher‘ in China auf 1000 Jahre durch Euch in einer Weise bestätigt werden, dass nie wieder ein Chinese es wagt, einen Deutschen auch nur scheel anzusehen.“

In „Straf“-Expeditionen wurden in China ganze Dörfer niedergebrannt und zahlreiche Menschen getötet. Die Stadt Peking wurde am 13. August 1901 besetzt. Der Gefreite Schrader und die Freiwilligen Brauns und Morch fielen bei Straßenkämpfen in Peking und Tientsin. Unteroffizier Kulle starb am 18. Februar 1902 im Lazarett in Hameln.

Ein heute am Boden vor dem Denkmal liegender Stein zeigt militärische Attribute: Gewehr und Säbel, einen Patronengurt, dazu Fahne, Eichenlaub und Südwestern.

  

In Südwestafrika (heute Namibia) verübten die Deutschen Völkermord am Volk der Hereros, den nur wenige überlebten. Der deutsche Reichskanzler Bismarck, der anfangs den Kolonialgedanken ablehnt hatte, hatte auf Druck von Interessenverbänden 1884 Südwestafrika zum deutschen „Schutzgebiet“ erklärt. Um Kaufleute und Siedler zu schützen, wurden Truppen stationiert. Lukrative Geschäfte (z.B. die Ausfuhr von Baumwolle) lockten. Die einheimischen Hereros und Namas – abwertend Hottentotten genannt – wurden von den Kolonialherren als minderwertig betrachtet. Immer wieder setzte es harte, demütigende Prügelstrafen.

Am 14. Januar 1904 meldete die Dewezet „Unruhen in Deutsch-Südwestafrika“. Die Hereros töteten Siedler, Polizisten und Soldaten, wohlgemerkt keine Frauen und Kinder. Nach dem Muster der China-Expedition beschloss das Deutsche Reich die Aussendung einer Expedition von Freiwilligen in Divisionsstärke, um die „Eingeborenen“ zu „züchtigen“. Wieder gab es in der Hamelner Bevölkerung intensive Spendenaktionen.

Am 11. August 1904 befahl General von Trotha den Angriff: Die Hereros wurden in die Wüste getrieben. Tausende Männer, Frauen und Kinder verdursteten. Am 2. Oktober 1904 gab der General seinen berüchtigten Vernichtungsbefehl:

„Innerhalb der deutschen Grenzen wird jeder Herero mit und ohne Gewehr erschossen. Ich nehme keine Weiber und keine Kinder mehr auf, treibe sie zu ihrem Volke zurück oder lasse auf sie schießen.“

Die Kämpfe gingen bis 1907. Vom auf 80.000 bis 100.000 Personen geschätzten Volk der Hereros lebten 1911 nur noch 15.130 Menschen. Der Völkermord in Deutsch-Südwestafrika hatte 65.000 bis 85.000 Herero sowie etwa 10.000 Nama das Leben gekostet. Etwa 1.365 deutsche Siedler und Soldaten starben, viele allerdings nicht im Kampf, sondern an Krankheiten.

Die beiden Gedenktafeln wurden 1908 auf einem sich leicht nach oben verjüngenden Stein eingeweiht, damals erhöht auf einem Sockel von Feldsteinen. Am 17. März 1908 lud das 4. Hannoversche Infanterie-Regiment No. 164 zur feierlichen „Enthüllung des Denksteins für die in Südwestafrika gefallenen Angehörigen des Regiments und einer Ehrentafel für die Kriegsfreiwilligen des Chinafeldzuges und des Südwestafrikanischen Krieges aus dem Regiment“. Kleidervorschrift:

„Anzug: Gehrock bezw. Paletot mit Orden und Ehrenzeichen.“

Zu dem vor dem Denkmal liegenden steinernen Löwen schrieb die Dewezet am 28. Juni 1910: Er sei ein „Zeichen des Mutes“ und „ruhe dort auf den Waffen der Wilden“.

Auf Befehl der britischen Besatzungsmacht wurde das Kolonialdenkmal nach dem Ende des Zweiten Weltkrieges abgebaut. 1951 hat die Stadt, den Stein, der am Bauhof gelagert worden war, wieder aufgestellt – ohne auf die mörderische Realität der Kolonialkriege Rücksicht zu nehmen.
 

Nachweise: Stadtarchiv Hameln Acc. 1 Nr. 9104 und Acc. 004/03 Nr. 26

  

Text der der am 5. Oktober 2011 eingeweihten Tafel des Volksbundes

Dieses Kriegerdenkmal wurde 1910 vom Hameln-Pyrmonter „Kreiskriegerverein“ errichtet. Nach Kriegsende 1945 war es auf Geheiß der britischen Besatzungsmacht abgebaut worden. Etwa seit 1952 steht es erneut an diesem Ort.

Das Denkmal erinnert auf der zur Weser zeigenden Seite an vier Hamelner Soldaten, die beim blutigen Feldzug der europäischen Großmächte gegen China zur Niederschlagung des sogenannten Boxeraufstands (1900) ums Leben gekommen sind.

Die Rückseite gedenkt der acht aus Hameln und Umgebung stammenden Soldaten, die bei der Bekämpfung des sogenannten Herero-Aufstandes (1904-1907) in Namibia, dem ehemaligen Deutsch-Südwestafrika, ihr Leben ließen.

In beiden Kriegen hat das Deutsche Kaiserreich rücksichtslos seine kolonialen Interessen verfolgt und auf Kosten der unterworfenen Völker Weltmachtpolitik betrieben. Die Weltmächte teilten damals China in Einflusssphären auf. Als Antwort auf den Boxeraufstand wurden in sogenannten Strafexpeditionen ganze Dörfer niedergebrannt und zahlreiche Menschen getötet. In Südwestafrika verübten die Deutschen Völkermord, den nur wenige Hereros überlebten.

Dieses Denkmal stand für Verherrlichung des Kolonialismus, des Imperialismus und des Herrenmenschentums. Für uns aber ist es Mahnung, uns im Einklang mit der Charta der Menschenrechte für die Gleichberechtigung aller Menschen, Völker und Rassen einzusetzen.

 
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Das Denkmal für die Gefallenen des Ersten Weltkrieg des 164er- Regiments am 164er Ring

Der Hamelner Magistrat befasste sich zum ersten Male am 29. August 1919 mit der Frage eines öffentlichen Ehrenmals für die Gefallenen des Ersten Weltkrieges. Da auf dem Deisterfriedhof kein geeigneter Platz vorhanden sei, denke man an eine Ehrung an der zentral liegenden Marktkirche.

In Hameln gab es damals zwei Initiativen bzw. zwei gesellschaftliche Gruppen, die ein Denkmal realisieren wollten, die Stadt und den „Verein der ehemaligen 164er“. Beide Initiativen unterschieden sich in ihrer Zielsetzung voneinander. Beide versuchten mit dem Denkmal ihre Deutung des Krieges durchzusetzen, den einen ging es um die Trauer um die Toten des Krieges, den anderen um die Verehrung der Gefallenen des Regiments und Kriegsverherrlichung.

Die Stadt Hameln schrieb um 1924 einen Wettbewerb aus und setzte aus fünf eingereichten Entwürfen mit dem Erfurter Hans Walther (1888-1961) einen Künstler einstimmig auf den ersten Platz, den die traumatischen Erfahrungen als Soldat im Ersten Weltkrieg in seinem Weltbild und in seiner Kunstauffassung nachhaltig geprägt hatten.

Aus einer Gruppe eng verschlungener, nackter Leiber – unten ein tot hingesunkener Soldat und auf seiner Rückseite die Mutter mit einem Knaben – wachsen nach oben in einer Aufwärtsbewegung weitere Leiber. In Bronze ausgeführt sollte das Denkmal ca. 8,80 Meter hoch werden. Als Standort war die Einmündung der Ritterstraße in den Pferdemarkt vorgesehen, und zwar so, dass das Denkmal schon von der Bäckerstraße her gesehen werden konnte.

Die zahlreichen Gefallenen-Denkmäler, die Walther damals gestaltet hat, lassen jeden nationalen Chauvinismus vermissen. Kein Wunder, dass in der Zeit des Nationalsozialismus die meisten seiner Kriegerdenkmäler zerstört wurden.

Die zweite Initiative ging vom „Verein der ehemaligen 164er“ aus. Das Hamelner 164er-Regiment war viereinhalb Jahre an der Westfront eingesetzt und hatte 2.470 Gefallene (nach eigener Aussage über 3.000) zu beklagen, die vorwiegend aus Hameln und der Umgebung stammten.

Die Gründe, warum die Stadt auf die Realisierung ihres Denkmals verzichtete und sich statt dessen der Initiative der ehemaligen 164er für ein bloßes Regimentsdenkmal anschloss, sind heute nicht mehr auszumachen. Möglicherweise ging die politische Mehrheit für das Denkmal verloren, als die SPD 1924 bei den Gemeinderatswahlen deutlich verlor. Die Stadt stellte dem Verein der ehemaligen 164er den Platz zur Aufstellung ihres Denkmals in der Nähe der Kasernen kostenlos zur Verfügung, in einem Dreieck, den der alte Festungsgraben bildete, und sie beteiligte sich auch an der Einweihung des Denkmals der 164er.

In der Konsequenz bedeutete der Verzicht, dass es in Hameln eine Erinnerung an jene Gefallenen, die nicht im 164er Regiment, sondern in anderen Truppenteilen gedient hatten, nicht gegeben hat.

Schöpfer des Regimentsdenkmals war Architekt Oskar Schmidt aus Hannover. Er gestaltete die Anlage im Stil der neuen Sachlichkeit, wie er für das moderne Bauen in der Weimarer Zeit typisch war. Um eine zentrale Stele ordnete er im Halbkreis 13 kleine Stelen an. Sie stehen für die 13 Kompanien des Regiments und tragen, links 1914 beginnend, die Namen von Schlachten bzw. Stationierungsorten an der Westfront. Sie verzeichnen auch die Namen der Spender, von denen viele aus Orten außerhalb Hamelns stammten.

Die Hauptstele schmückt ein farbiges Mosaik. Es zeigt die Gestalt des nordischen Sigurd, „der das zerbrochene Schwert seines Vaters Siegmund neu schmiedet, um seinen Tod rächen zu können“. Es drückt Kampfbereitschaft und den Willen zur Revanche aus und steht in einer gewissen Spannung zum Stil der neuen Sachlichkeit, in dem das Denkmal gehalten ist.

Die Stele trägt die Inschrift:

„1914 – 1918
Gedenket der Gefallenen vom 4. Hann. Inf. Regiment 164“

Rechts und links der ersten Zeile waren stilisierte Helmadler aus Bronze angebracht.

Der Denkmalweihe widmete die Dewezet (24.8.1925) eine umfangreiche Darstellung.

„Kameraden … aus weiter Ferne und aus der näheren Umgebung (erg.: seien) … zu Tausenden herbeigeeilt“, darunter über 2000 auswärtige Besucher. Leider habe es in Strömen geregnet.
„Mochte auch der Zapfenstreich am Sonnabend völlig verregnen und während des Weiheaktes ein Regenschauer nach dem anderen niedergehen: es nahm doch alles einen Verlauf, wie er schöner und erhebender nicht gedacht werden kann.

Die Stadt hatte prächtigen Festschmuck angelegt; die Hauptstraßen und auch die Nebenstraßen wiesen reichen Flaggen- und Girlandenschmuck auf, so daß der Sonntag Mittag stattfindende Hauptfestzug sich in einem der Bedeutung des Tages entsprechendem Rahmen abspielte.“

In der Nähe der Kaserne war ein großes Festzelt aufgebaut. Der ehemalige Divisionspfarrer Philippi predigte vom „niedergebrochenen, zerrissenen Deutschland“. Der Tod der Vielen dürfe nicht umsonst sein. Vom Denkmal als dem „Ehrenmal deutscher Treue“ sagte er:

„Sei ein Opferstein, jetzt und den künftigen Geschlechtern, zur Auferstehung von Volk und Vaterland.“  

Hauptmann Behr vom Denkmalausschuss forderte, den Boden Deutschlands frei zu machen von der feindlichen Besatzung. Die Denkmaleinweihung fiel aktuell in die Zeit der Ruhrbesetzung durch die Franzosen.

Anlässlich der Ansprache von Oberbürgermeister Jürgens wurde eine Linde gepflanzt.

Der Vorbeimarsch der teilnehmenden Hamelner vaterländischen Vereine, darunter Stahlhelm, Jungdeutscher Orden, vaterländische Frauenvereine wie der Frauenbund der deutschen Kolonialgesellschaft, dauerte 20 Minuten.

Schon am Vortag der Einweihung hatte die Dewezet (22.8.1925) über zwei Seiten die Erinnerungen von Leutnant a.D. Erwin Päts-Oldenstadt gedruckt. Im August und September 1916 hatte das Regiment mit schwersten Verlusten an der Somme-Schlacht teilgenommen, ein Jahr später an den Kämpfen in Flandern. Die gesamte Dauer des Krieges, insgesamt also viereinhalb Jahre, habe das Regiment an der Westfront gelegen und über 3000 Gefallene zu beklagen. Weitere Artikel druckte die Dewezet am 14., 21. und 23. August 1925.

Nachweise Stadtarchiv Hameln Acc. 004/03 Nr. 23 und Karton 359 Nr. 4

In den 1990er Jahren war das Denkmal sehr vernachlässigt und verschwand hinter wuchernden Büschen und Bäumen. Nachdem die Stadt den Bewuchs zurückgeschnitten hatte, war das Denkmal wieder vom 164er Ring sichtbar. Im Jahre 2001 stiftete Gerhard Schwickert als Ersatz für die lückenhafte Beschriftung in Form von Einzelbuchstaben eine Bronze-Tafel, die freilich in ihrer Massivität die Ästhetik des Denkmals verletzt.

     

Text der am 5. Oktober 2011 eingeweihten Tafel des Volksbundes

Dieses Kriegerdenkmal wurde nach dem Ersten Weltkrieg aus Bürgerspenden errichtet und am 23. August 1923 unter großer Beteiligung der Bevölkerung eingeweiht.

Das farbige Siegfried-Mosaik soll Tapferkeit und Heldenmut symbolisieren. Vor einem von Blitzen durchzuckten Hintergrund schmiedet der germanische Held das blanke und scharfe Schwert – für den nächsten Krieg. Die Darstellung Siegfrieds steht in krassem Widerspruch zur Realität des massenhaften Todes im Schützengraben und dem unsäglichen Leid der vielen Verwundeten auf deutscher und französischer Seite.

Das Halbrund der dreizehn Steintafeln steht für die dreizehn Kompanien des Regiments und die zahlreichen verlustreichen Kämpfe, die es in Frankreich bestand.

Das Denkmal erinnert – ohne die Zahl zu nennen – an die erschütternd große Zahl von 2.470 gefallenen Soldaten des in Hameln beheimateten 164er-Regiments. Die Zahl der aus Hameln stammenden Gefallenen, die auch in anderen Truppenteilen dienten, dürfte noch höher gewesen sein.

Das damalige Deutschland konnte die Niederlage gegen den „Erbfeind“ Frankreich nicht verwinden. Nur wenige Jahre später – 1940 –überfiel Hitlerdeutschland den Nachbarn erneut. 1944 sollte an dieser Stelle zusätzlich ein vorläufiges Ehrenmal für die Gefallenen dieses Krieges errichtet werden. Kurz vor Ende des Krieges wurde es nicht mehr verwirklicht.

Die hohe Anzahl der Toten allein aus Hameln führt uns eindrucksvoll den Widersinn dieses Krieges vor Augen. Dieses Denkmal soll uns eine Mahnung vor den Folgen jeden Krieges und vor übersteigertem Nationalismus sein. Von ihm muss die Hoffnung auf ein geeintes Europa und für eine friedvolle Zukunft ausgehen.

 
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Das Ehrenmal für die Toten des Ersten Weltkrieges im Hamelner Münster

Die Münstergemeinde ließ nach dem Ersten Weltkrieg auf der nördlichen Außenwand des Münsters die Namen der Hamelner Gefallenen aufmalen. Einzelheiten dieser Initiative sind heute nicht mehr in Erfahrung zu bringen.

Die Namen sind heute (2012) weitgehend verblasst. Beispielhaft wurden Teile wiederhergestellt. An eine komplette Restaurierung, die sich sehr aufwändig gestalten würde, ist nicht gedacht.

 
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Das Ehrenmal für die Toten der Stadtverwaltung im Hochzeitshaus

Der Totenehrung der Gefallenen aus der Verwaltung der Stadt Hameln diente ein Denkmal, das 1931 als tragende Säule neben einer in Schwarz gehaltenen Texttafel im Eingangsbereich des Erdgeschosses im Hochzeitshaus aufgestellt wurde. Es stammt von dem oben erwähnten Erfurter Hans Walther.

Der unbekleidete Krieger ist durch verschiedene Attribute als Rattenfänger kenntlich gemacht. Der Zusammenhang zwischen Rattenfängersage und Totenehrung beruht auf der früher verbreiteten Rückführung der Sage auf die Schlacht bei Sedemünder. Im Kampf mit den Soldaten des Mindener Bischofs wurde das kleine Hamelner Heer im Jahre 1260 vollständig aufgerieben. Der Pfeifer der Sage wird zum Symbol des Opfertodes deutscher Männer im Krieg.

Die Skulptur stand bis 2004/05 im Eingangsbereich des Hochzeitshauses. Im Zuge des Umbaus des Hochzeitshauses für die „Erlebniswelt Renaissance“ wurde sie zerstört und liegt heute in mehreren Teilen der Witterung ungeschützt ausgesetzt auf dem Lagerplatz des Hamelner Friedhofs am Wehl.

Im Frühjahr 2015 hat dankenswerterweise das Museum Hameln die Skulptur in ihren verschiedenen Teilen in seine Obhut genommen.

 
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Das Ehrenmal für die Toten des Zweiten Weltkrieges im Münster

Zur Erinnerung an die Folgen von Krieg und Streit stellte die Gemeinde 1959 das Hiob-Relief des Stuttgarter Künstlers Helmut Uhrig in der Krypta auf. Wie es dazu kam, ist heute nicht mehr zu rekonstruieren. Ebenfalls in der Krypta lag das nach Tagen geordnete Namensbuch der Opfer der beiden Weltkriege.

 
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Das Ehrenmal für die Toten des Zweiten Weltkriegs am Münster von 1961

Seit 1955 rückte in Hameln das Thema in die Öffentlichkeit, wie das Gedenken an die Opfer des Zweiten Weltkrieges aussehen sollte. Neben den toten Soldaten hatte der Anteil ziviler Opfer enorme Ausmaße angenommen. Viele Menschen verloren im Bombenkrieg ihr Leben, andere starben bei Flucht und Vertreibung. Zu erinnern war aber auch – was vielen Menschen erst allmählich ins Bewusstsein trat – an die Millionen von Menschen, die das NS-Regime aus rassisch-ideologischen Gründen bewusst in den Tod getrieben hatte, Menschen jüdischen Glaubens, „Zigeuner“, politische Gegner und andere Opfer des NS-Regimes, die nicht in unmittelbarem Zusammenhang mit dem Krieg standen.

Die verheerende Niederlage und die Verbrechen des Regimes warfen tiefgreifende Fragen nach der persönlichen Beteiligung jedes einzelnen an der Schuld auf, die Deutschland in den zwölf Jahren nationalsozialistischer Herrschaft auf sich geladen hatte. Eine breite pazifistische Strömung, die jeden Militarismus und Nationalismus verdammte, war in der Öffentlichkeit präsent und charakterisierte die Nachkriegszeit.

Die Zeitschrift Deutscher Baumarkt schrieb am 2. August 1952 unter der Überschrift „Nachahmenswertes Beispiel!“:

„In Bad Honnef haben die Stadtväter auf die herkömmliche Art, ein Kriegerehrenmal zu errichten, verzichtet und bauen als Ehrenmal ein Doppelhaus für kinderreiche Kriegerwitwen.“

„Klassische“ Kriegerdenkmäler wurden zunächst nur vereinzelt neu errichtet. Auf den Dörfern, wo die Zahlen der Toten überschaubarer waren, wurden zumeist die Denkmäler für den Ersten Weltkrieg um die Namen der Toten der Jahre 1939-1945 ergänzt. Wenn neue Denkmäler gebaut wurden, so widmete man sie in der Regel undifferenziert allen Opfern von „Krieg und Gewaltherrschaft“. Häufig sind christliche Symbole wie das Kreuz und die Pieta, also die um ihren Sohn trauernde Gottesmutter anzutreffen.

Im Jahre 1955 traten soldatische Traditionsverbände – darunter der Kyffhäuser-Bund – an die Stadt mit dem Wunsch nach einem Ehrenmal für die gefallenen Soldaten heran. Als Standort schlugen sie die südliche Seite des Münsters vor. Wie im Folgenden deutlich wird, stieß das Ansinnen nach einem “klassischen“ Denkmal für Soldaten bei der Stadt auf offene Ohren.

Die SPD-nahe Hannoversche Presse (13. Juni 1956) legte früh gegen die Pläne Einspruch ein, indem sie nicht nur nicht nur die Wahl des Ortes, sondern auch die Beschränkung des Erinnerns auf die Opfer des Krieges kritisierte:

„Ein Ehrenmal, möglichst für alle ‚Opfer des Krieges und der Willkür‘, gehört nicht auf den kleinen und ungeeigneten Platz am Münster. Es gehört dahin, wo eine Anlage sich geradezu anbietet: Auf den Waldfriedhof am Wehl mit seiner unvergleichlichen Atmosphäre der Stille, der Friedens und des Gedenkens.“  

Tatsächlich wurde damals vom Volksbund Deutsche Kriegsgräberfürsorge die Mittelachse des Friedhofes am Wehl zu einem „Ehrenhain“ umgestaltet, in dessen Mittelpunkt drei steinerne Kreuze zur Aufstellung kamen.

Die Stadt schlug als mögliche Inschriften für das „Ehrenmal“ am Münster vor

Die Menschen, die den politisch und rassisch motivierten Verbrechen der Nationalsozialisten zum Opfer gefallen waren, blieben damit unerwähnt.

Noch bevor es zu einer Übereinkunft darüber kam, an welche Personengruppen das Denkmal erinnern sollte, schrieb der Kulturausschuss 1958 einen Wettbewerb aus. Aufgefordert wurden u.a. die Künstler Peter Szaif aus Pyrmont, Arn Walter aus Hameln und Hans Walther aus Erfurt.

Arn Walter entwarf ein Ehrenmal in Form einer Säule mit aufgesetzter Figur: „Engel mit Schwert“ (Kosten 18.000 DM). Heinz Walther gestaltete eine Gruft mit zwei Personengruppen rechts und links der Gruft (35.000 DM). Die Gruft sollte genau dem Rattenfänger-Relief gegenüber liegen, das sich an der Aula-Wand der Berufsschule befand. Peter Szaif schließlich sah zwei Pylone mit einer davor stehenden Bronze-Plastik vor (21.500 DM).

Entsprechend den Vorstellungen der Soldatenverbände befürwortete der Verwaltungsausschuss am 15. Dezember 1958 einstimmig den Entwurf von Peter Szaif und die Aufstellung des Denkmals am Münster. Kulturausschuss und soldatische Verbände, die (vertreten durch die ehemaligen Reichswehrgeneräle Thomas und Rose) in das Auswahlverfahren einbezogen waren, hatten schon vorher für Szaif votiert.

Trotz dieser Festlegung hielt der Streit um die Inschrift und das grundsätzliche Für und Wider des Denkmals unvermindert an. Im Kulturausschuss forderte Senator Helmut Greulich (SPD) am 19. März 1959 zusätzlich eine Gedenktafel für die Opfer des Nationalsozialismus, ausdrücklich aber nicht am Münster, sondern auf dem Friedhof am Wehl. Ebenfalls für die SPD kritisierte Ratsherr Rolf Wilhelms in der Hannoverschen Presse vom 29. April 1959 das „zusätzliche“ Mahnmal am Münster als eine unnötige Konzession an die soldatischen Verbände.

In die gleiche Richtung äußerte sich Pastor Wolfgang Theopold, in der NS-Zeit ein Anhänger der Bekennenden Kirche, unter der Überschrift „Nun gar drei Ehrenmale?” (Hannoversche Presse vom 5. Mai 1959). Neben dem Friedhof am Wehl sei eine weitere „sehr würdige Gedenkstätte“ in Form eines Gedenkbuches in der Krypta des Münsters vorhanden. „Wir können auf die dritte Stätte draußen vor dem Münster verzichten!“ Eine Erinnerung allein an die gefallenen Soldaten lehnte Theopold ab.

Die kritischen Stimmen blieben ungehört. Der Verwaltungsausschuss beschloss am 13. Juli 1959 die Errichtung des Ehrenmals nach dem Entwurf von Peter Szaif. An den Kosten von insgesamt 25.000 DM wollten sich die soldatischen Verbände beteiligen. Die Formulierung der Inschrift war dabei noch offen. Im Protokoll heißt es dazu:

„Die Frage, ob mit der Errichtung dieses Ehrenmals am Münsterkirchhof gleichzeitig der Opfer der Gewaltherrschaft durch eine besondere Inschrift oder ob solch ein Ehrenmal an anderer Stelle errichtet werden soll, wird Gegenstand besonderer Beratung des Verwaltungsausschusses sein.“

Auf Seiten des Verbandes Deutscher Soldaten/Kyffhäuser Bund war mittlerweile die Ungeduld gewachsen. Fünf Jahre müsse der Verband nun schon warten, lautete die Beschwerde beim Oberstadtdirektor. Ein Leserbrief in der Dewezet (vom 30. August 1960) lehnte ein gleichzeitiges Gedenken an die Gefallenen und an die Opfer der Gewaltherrschaft ab und verwies darauf, dass in den Konzentrationslagern auch Kriminelle gesessen hätten.

„Mit letzteren möchten wir ehemaligen Soldaten das Gedenken unserer gefallenen Kameraden nicht verbunden sehen.“

Hingegen kritisierte die Hannoversche Presse (2. Februar 1960) das „Tauziehen um steinerne Symbole“ und – angesichts der kurz bevorstehenden Fertigstellung der Anlage am Wehl – die Inflation der soldatischen Ehrenmale für Hameln. Der Rat schiebe die dringend nötige Debatte darüber hinaus, wem die Anlage am Münster zu widmen sei. Die Zeitung drückte ihre Sorge aus, die Anlage am Münster könne zu einem Aufmarschplatz der Militaristen werden.

Die im Rat vertretenen Parteien hielten sich in der Auseinandersetzung lange zurück und äußerten sich erst kurz vor der für den 30. August 1960 geplanten Ratssitzung. Die SPD wollte „aus Kostengründen“ ein Mahnmal, das aller Opfergruppen gedachte. Als Inschrift sah sie vor:

„Die Stadt Hameln ihren Toten.“

Von den anderen Parteien wurde dies zunächst abgelehnt, weil das Ehrenmal laut DP/CDU-Fraktion allein und ausdrücklich den Gefallenen vorbehalten sein solle. Die Fraktion beantragte deswegen die Errichtung eines weiteren Mahnmals für die Opfer der Gewaltherrschaft, ohne diesen Vorschlag jedoch zu konkretisieren (Dewezet vom 24. August 1960).

In der Vorlage der Verwaltung lautete die Inschrift:

„Ihren Toten Die Stadt Hameln.“

Diese Vorlage wurde von allen Ratsmitgliedern angenommen. Auch die DP/CDU-Fraktion stimmte zu.

Wie sieht nun das Ehrenmal aus, um das so lange gestritten wurde? Über zwei zueinander gebogenen, etwa 7 Meter hohen Pfeilern schwebt das christliche Kreuz. Die Pfeiler schuf Peter Szaif aus Oberkirchener Sandstein, das Kreuz aus Bronze. Die Pfeiler, die als Symbole des geteilten Deutschlands gedacht sind, tragen die Jahreszahlen der beiden Weltkriege. Zwischen ihnen liegt eine Platte mit der Inschrift:

„Ihren Toten
Die Stadt Hameln“

Die Bodengestaltung soll wie eine Gruft mit in alle Richtungen verstreuten Gräbern aussehen.

Unter starker Anteilnahme der Bevölkerung wurde das Denkmal am Volkstrauertag 19. November 1961 geweiht. Nach der Feierstunde in der Weserberglandfesthalle bewegte sich ein langer Schweigemarsch zum Ehrenmal. Abordnungen von Soldaten waren anwesend (Berichte in der Hannoverschen Presse am 16. November und in der Dewezet am 16. und 20. November 1961).

„Der ‚Wind’ hat sich endlich gelegt“, lautete das etwas abschätzige Urteil der Dewezet (vom 1. September 1960) über das Ende der lange geführten Debatte. Hat sich die Auseinandersetzung gelohnt? Das Denkmal am Münster ist ein Denkmal für die Toten der beiden Weltkriege. Die zahlreichen Versuche, neben den gefallenen Soldaten und den in der Folge des Krieges gestorbenen Zivilisten auch an die Opfer des nationalsozialistischen Terrors gegen Minderheiten und Andersdenkende zu erinnern, sind gescheitert. Für eine gemeinsame Erinnerungskultur, welche die Opfer des Krieges und die Opfer des NS-Regimes differenziert benennt und würdigt, war es noch zu früh.

Ein Denkmal für die Opfer des Nationalsozialismus ist bis heute in Hameln nicht gebaut worden. Wir haben seit 1963 eine erste bescheidene Gedenkstätte für die zerstörte Synagoge und die ermordeten jüdische Gemeinde (neugestaltet 1996). Seit 2006 erinnert eine im Boden liegende Tafel an die furchtbar vielen Opfer des Zuchthauses (heute Hotel Stadt Hameln), das in der NS-Zeit eine Verfolgungsstätte war.

Aber wo in Hameln gedenken wir der umgekommenen ausländischen Zwangsarbeiter, der in der „Euthanasie“ ermordeten geistig und körperlich Behinderten, der deportierten „Zigeuner“ und anderer oft namenloser Opfer?
 

DeWeZet vom 20. April 2013 - Artikel zum Thema:
Denkmal für die Toten der Weltkriege - Der Streit um das 1961 eingeweihte Ehrenmal am Münster
als PDF-Datei.

 
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Das Ehrenmal für die Toten des Zweiten Weltkrieges am Friedhof am Wehl

Der Volksbund Deutsche Kriegsgräberfürsorge gestaltete Anfang der 1960er Jahre die Mittelachse des Friedhofes am Wehl zu einem „Ehrenhain“ um, in dessen Mittelpunkt drei steinerne Kreuze zur Aufstellung kamen. In diesem Bereich entstanden Felder für die gefallenen deutschen Soldaten sowie für die deutschen Bombenopfer, die durch den alliierten Luftkrieg sowie den Beschuss Hamelns während des Zweiten Weltkrieges umgekommen waren.

 
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Das Ehrenmal für die Toten auf See

1958 schuf sich die Marine-Kameradschaft am Kolonialdenkmal ein zeitlich nicht näher bestimmtes Ehrenmal „für die Toten auf See“ in Form einer Platte („Allen, die auf See geblieben, zum Gedächtnis“) und eines Ankers. Warum dieser spezielle Ort gewählt wurde, ist nicht bekannt.

 
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Das Ehrenmal für das 74er Regiment im Invalidengarten

Auf Antrag und auf Kosten der Kameradschaft der Angehörigen des Panzergrenadier-Regiments 74 wurde 1960 ein schlichter Stein für die Toten des Regiments im Zweiten Weltkrieg nach einem Entwurf von Steinmetz Hans Mainzer enthüllt. Der Verwaltungsausschuss hatte am 8. Februar 1960 eine Stele und ebenso einen Kubus mit aufgelegtem Stahlhelm (als zu militaristisch?) abgelehnt.
Der Stein wurde am 7. Mai 1960 beim zehnten Wiedersehenstreffen des Regiments enthüllt.

 
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Gedenkstein und Gedicht für die Drei Toten am Klüt

Am 5. April 1945 starben während der letzten Kampfhandlungen deutscher und amerikanischer Soldaten in Hameln und Umgebung drei deutsche Soldaten in einem Gefecht auf dem Klüt oberhalb von Hameln. Die Verstorbenen Oskar Weihe, Unteroffizier aus Danzig, Anton Gradwohl, Gefreiter aus Moggau (Österreich), und Otto Drebenstedt, Unteroffizier aus Gardelegen (nördlich von Magdeburg), kamen aus verschiedenen Teilen des damaligen Reiches und ließen weit entfernt von ihrer Heimat ihr Leben.

Die drei Männer starben, als sie mit einer kleinen Kampftruppe unter Befehl eines Offiziers auf eine Gruppe von US-Soldaten stießen, welche sich ein Bild von der Gefechtslage machen wollte. Im Verlauf des Gefechtes wurde ein deutscher Soldat verwundet, und zwei weitere konnten fliehen, bevor die Soldaten Weihe, Gradwohl und Drebenstedt fielen. Auch amerikanische Soldaten kamen ums Leben.

Erst etwa drei Tage später wurden die drei Toten von der Tochter des Gastwirts vom Finkenborn gefunden und von ihrem Vater und weiteren Helfern am Fuße des Klütturms begraben.

Die drei Gräber beschäftigten die Hamelner Bevölkerung nachhaltig. 1951 veröffentlichte die Dewezet ein Gedicht, das Peter Bruno Richter zum Gedenken an die drei Toten geschrieben hatte. Daraus Auszüge:
 

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Titel der gedruckten Ausgabe
des Gedichts von Peter Bruno Richter
(Quelle: Stadtarchiv Hameln)

„Wie war es doch rasch? –
Verrat – oder Eid? –
Ein sterbendes Land und kein Mensch weit und breit,
der uns hätte sagen können: Tut so! –
Drum waren wir fast so etwas wie froh
über peitschende Schüsse – und sickerndes Blut.
Ein Wähnen und Trügen war aus –
Das war gut. –
Hands up!!! Schrie man her. Wir hoben sie nicht.
...
wir sahen, versinkend, nur eins noch –
die Pflicht! –
...
Doch schmäht nicht das Schönste,
die Treue.“

 
Die Verherrlichung des Soldatentodes unter den Stichwörtern „Pflicht“ und „Treue“, die sich in diesem Gedicht findet, ist außerordentlich problematisch.

Als im Oktober 1955 der Volksbund Deutsche Kriegsgräberfürsorge die Gefallenen zur Kriegsgräberstätte des Friedhofs Wehl umbetten wollte, wurden in der Dewezet mehrere kritische Stimmen laut, welche die Gräber auf dem Klüt an Ort und Stelle erhalten wollten (vgl. die Leserbriefe vom 22.10.1955).

 

Autor: Bernhard Gelderblom

 
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Autor aller nicht gesondert gekennzeichneten Abschnitte: Bernhard Gelderblom