Die Dokumentation der Opfer der NS-Herrschaft
in der Stadt Hameln und im Landkreis Hameln-Pyrmont
 

2.  Die Opfer unter den Gefangenen des Zuchthauses Hameln

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Breuls, Roger

Belgier, wurde am 28. Oktober 1897 in Brüssel-St. Gilles geboren. Der Rechtsanwalt wohnte in Brüssel, rue de Livourne 39.
Als Widerstandskämpfer bei „Nacht und Nebel“ verhaftet, wurde Roger Breuls wahrscheinlich 1943 heimlich nach Deutschland in das Untersuchungsgefängnis Bochum verschleppt.
Am 22. Mai 1943 kam Roger Breuls mit einem großen Sammeltransport von 150 NN-Gefangenen aus dem Gefängnis Bochum in das Zuchthaus Hameln.
Am 29. April 1944 wurde Roger Breuls zusammen mit knapp 70 Belgiern und Franzosen des genannten Transports in das Zuchthaus Groß Strehlitz in Oberschlesien weiterverlegt.
Im weiteren Verlauf des Jahres 1944 wurde Roger Breuls in das KZ Groß Rosen in Niederschlesien verschleppt.
Roger Breuls kam am 25. Dezember 1944 im KZ Groß Rosen ums Leben.

Gruppenzugehörigkeit:  Zuchthausgefangene / Strafanstalten / Groß Strehlitz

Breyne, Albert Louis Josef

Belgier, wurde am 18. November 1893 in Werwieg im Kreis Ypern in Flandern geboren. Sein Wohnort ist unbekannt. Der Fabrikarbeiter war zuletzt vermutlich als Zwangsarbeiter in Immenbeck Nr. 1 im Kreis Harburg im Einsatz.
Kurz zuvor verurteilt, wurde Breyne am 15. Juli 1942 in das Zuchthaus Hameln verlegt.
Albert Breyne starb am 7. September 1944 im Zuchthaus und wurde auf dem Friedhof Wehl bestattet (F I/53). Mit 16 weiteren zumeist ausländischen Zuchthaus-Toten sowie 23 toten Zwangsarbeitern wurde Breyne im März 1972 auf Feld F II umgebettet (F II/230) und erhielt einen beschrifteten Grabstein.

Gruppenzugehörigkeit:  Zuchthausgefangene / Hameln

Brill, Erich

wurde am 20. September 1895 in Lübeck geboren. Der Kunstmaler, der jüdischen Glaubens war, wohnte in Altona, Schulterblatt 26.
Seit 1938 als rassisch Verfolgter in Haft, wurde Brill zusammen mit anderen jüdischen Gefangenen am 28. August 1940 aus dem Zuchthaus Celle in das Zuchthaus Hameln verlegt. In den Celler Außenlagern Mulmshorn oder Lührsbockel hatten diese Männer Hunger und schwere Misshandlungen zu erleiden.
Am Tag seiner Entlassung, dem 19. November 1941, wurde Brill von der Zuchthausverwaltung „der Polizei Hameln zwecks Überführung in das Polizeigefängnis Hamburg-Fuhlsbüttel übergeben (Evakuierung)“. Von Hamburg aus wurde Brill am 6. Dezember 1941 mit einem großen Sammeltransport, darunter die Mitgefangenen Alexander, Eichholz und Zucker, in das Ghetto Riga deportiert. Dort ist Brill verschollen.

Gruppenzugehörigkeit:  Zuchthausgefangene / Gestapogefängnis-Ghetto-KZ

Brinkmann, Willi

wurde am 10. Juni 1916 in Wulsdorf im Kreis Wesermünde (= Bremerhaven) geboren. Der Werftarbeiter wohnte in Geestemünde, Hülsenstr. 9.
1942 festgenommen und nach „Kriegssonderstrafrecht“ zu einer drakonischen Freiheitsstrafe verurteilt, wurde Brinkmann am 8. August 1944 mit einem Sammeltransport von 100 Gefangenen aus dem Celler in das Hamelner Zuchthaus verlegt.
Wie die Mehrzahl der Transportteilnehmer kam er unverzüglich in das neu eingerichtete Zuchthaus-Außenlager Holzen zum mörderischen Arbeitseinsatz; diesen überlebten mindestens 36 Mann der Erstbelegung nicht lange. Die erlittenen Strapazen ließen Brinkmann nach wenigen Wochen erkranken.
Im Oktober 1944 versuchte er vergeblich, aus dem Außenlager Holzen auszubrechen, und leistete nach seiner Festnahme gegenüber dem Wachpersonal handgreiflich Widerstand. Darauf erfolgte – sicherlich zur Abschreckung – eine mörderische Sanktion: Das Sondergericht Hannover, das zum Lokaltermin anreiste, verurteilte Brinkmann im Schnellverfahren zum Tode.
Willi Brinkmann wurde am 25. Oktober 1944 im Außenlager Holzen an einem eigens errichteten Galgen aufgehängt. Zunächst auf dem Gemeindefriedhof in Holzen bestattet, wurde Willi Brinkmann im Oktober 1946 auf den dortigen "Ehrenfriedhof" umgebettet (4. R. Nr. 6).

Gruppenzugehörigkeit:  Zuchthausgefangene / Außenlager Holzen

Briquet, Pierre

Belgier, wurde am 27. August 1921 in Brüssel-Etterbeek geboren. Der Student wohnte in Namur.
Als Widerstandskämpfer bei „Nacht und Nebel“ am 7. August 1942 in Namur verhaftet und zunächst im Gefängnis Brüssel-St. Gilles festgehalten, wurde Pierre Briquet heimlich nach Deutschland in das Untersuchungsgefängnis Bochum verschleppt.
Am 22. Mai 1943 kam Pierre Briquet mit einem großen Sammeltransport von 150 NN-Gefangenen aus Bochum in das Zuchthaus Hameln.
Am 23. Februar 1944 wurde Briquet in das Strafgefangenenlager Esterwegen, eines der KZ-artigen Moorlager im Emsland, gebracht, vermutlich um vom dort tagenden Berliner „Volksgerichtshof“ abgeurteilt zu werden.
Im weiteren Verlauf des Jahres 1944 kam Pierre Briquet wie andere belgische Lagerinsassen in das Zuchthaus Sonnenburg/Neumark in Ostbrandenburg.
Später wurde Briquet – womöglich im Zuge eines Todesmarsches in Richtung Westen Anfang 1945 und mit Zwischenstation im KZ Sachsenhausen – in das KZ Mauthausen verschleppt.
Pierre Briquet kam am 4. März 1945 im KZ Mauthausen ums Leben.

Gruppenzugehörigkeit:  Zuchthausgefangene / Strafanstalten / Sonnenburg