Die Dokumentation der Opfer der NS-Herrschaft
in der Stadt Hameln und im Landkreis Hameln-Pyrmont
 

2.  Die Opfer unter den Gefangenen des Zuchthauses Hameln

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de Mol, Adolphe

Belgier, wurde am 24. September 1914 in Lebbekke geboren. Der Architekt wohnte in Dendermonde, Statieplan 22.
Als Widerstandskämpfer und Mitglied einer „deutschfeindliche(n) Geheimorganisation“ in Ostflandern 1942 bei „Nacht und Nebel“ verhaftet und heimlich nach Deutschland verschleppt, kam Adolphe de Mol in einer Gruppe von 13 belgischen NN-Gefangenen über das Strafgefängnis Vechta am 15. September 1943 in das Zuchthaus Hameln.
Der Berliner „Volksgerichtshof“ verurteilte Adolphe de Mol und 20 andere belgische NN-Gefangene aus Hameln zwischen dem 20. und 22. Oktober wegen „Feindbegünstigung“ und teils wegen „Freischärlerei“ zum Tode.
Anschließend nach Hameln zurückverlegt, wurden die 21 Männer am 9. November 1943 zur Hinrichtung in das Zuchthaus Brandenburg gebracht.
Adolphe de Mol war einer von 13 Männern, die am 22. November 1943 mit dem Fallbeil getötet wurden.

Gruppenzugehörigkeit:  Zuchthausgefangene / Strafanstalten / Brandenburg

de Moll, Luis

Belgier, wurde am 27. Mai 1903 in Lebbeke geboren. Der Händler wohnte in Lebbeke, Laurierstr. 8.
Als Widerstandskämpfer und Mitglied einer „deutschfeindliche(n) Geheimorganisation“ in Ostflandern 1942 bei „Nacht und Nebel“ verhaftet, wurde Luis de Moll heimlich nach Deutschland in das Untersuchungsgefängnis Bochum verschleppt.
Am 22. Mai 1943 kam Luis de Moll mit einem großen Sammeltransport von 150 NN-Gefangenen aus Bochum in das Zuchthaus Hameln.
Der Berliner „Volksgerichtshof“ verurteilte Luis de Moll und 20 andere belgische NN-Gefangene aus Hameln zwischen dem 20. und 22. Oktober wegen „Feindbegünstigung“ und teils wegen „Freischärlerei“ zum Tode.
Anschließend nach Hameln zurückverlegt, wurden die 21 Männer am 9. November 1943 zur Hinrichtung in das Zuchthaus Brandenburg gebracht.
Luis de Moll war einer von 13 Männern, die am 22. November 1943 mit dem Fallbeil getötet wurden.

Gruppenzugehörigkeit:  Zuchthausgefangene / Strafanstalten / Brandenburg

de Nys, Gerard Pieter

Belgier, wurde am 11. August 1922 in Saint Gilles Waas geboren. Der Fabrikarbeiter wohnte in Saint Gilles Waas, Doornstr. 14. Zuletzt war er vermutlich als Zwangsarbeiter in Hannover im Einsatz und musste in einem Lager der Reichsbahn leben.
1943 nach „Kriegssonderstrafrecht“ zu mehrjähriger Haft verurteilt, wurde de Nys am 8. August 1944 mit einem Sammeltransport von 100 Gefangenen aus dem Celler in das Hamelner Zuchthaus verlegt.
Wie die Mehrzahl der Transportteilnehmer kam er unverzüglich in das neu eingerichtete Zuchthaus-Außenlager Holzen zum mörderischen Arbeitseinsatz; diesen überlebten mindestens 36 Mann der Erstbelegung nicht lange. Die erlittenen Strapazen ließen de Nys bald erkranken, so dass er als 'nicht außenarbeitsfähig' nach Hameln zurückverlegt wurde.
Gerard de Nys starb am 10. Februar 1945 im Zuchthaus und wurde auf dem Friedhof Wehl bestattet (Feld C I/32). Am 18. November 1948 wurde er in seine Heimat nach Saint Gilles umgebettet.

Gruppenzugehörigkeit:  Zuchthausgefangene / Hameln

de Pauw, Ortar Leo

Belgier, wurde am 14. September 1901 in Gent geboren. Der Postbeamte und Lebensmittelkontrolleur wohnte in Messines, Korte mooie 1.
Wohl seit 1942 als Widerstandskämpfer in Haft, verurteilte ihn im Januar 1943 ein Kriegsgericht in Brügge zu einer mehrjährigen Freiheitsstrafe.
Wie viele ausländische „Politische“ kam de Pauw im Zuge der Räumung frontnaher Strafanstalten im Westen mit einem vielköpfigen Sammeltransport aus dem Zuchthaus Rheinbach bei Bonn am 16. September 1944 in das Zuchthaus Hameln.
Bald nach seiner Ankunft wurde de Pauw in das Zuchthaus-Außenlager Holzen zum mörderischen Arbeitseinsatz gebracht. Die erlittenen Strapazen ließen ihn erkranken und dürften ihn nachhaltig geschwächt haben.
De Pauw kam auf dem Todesmarsch vom Zuchthaus-Außenlager Holzen zum Zuchthaus Bützow-Dreibergen am 14. April 1945 in Bad Liebenwerda ums Leben.
Aus einem Brief seines Leidensgenossen Dr. Etienne Grandrie an die Ehefrau de Pauws:
„Am nächsten Tag, den 14. April, sind wir am frühen Nachmittag in Liebenwerda angekommen. Nachdem wir zwei Stunden im Stehen in voller Sonne gewartet hatten, hörten wir, dass sich der Direktor des Gefängnisses geweigert hat, uns hinein zu lassen. Wir wurden dann auf den großen Rasen vor dem Kurhaus platziert. Abends, als die Nacht kam, etwa um 6 Uhr, bekamen wir den Befehl uns anzustellen, um 3 bis 6 Kartoffeln pro Person zu bekommen. Seit dem Donnerstagmorgen hatten wir nichts gegessen, und dies, nachdem wir 60 Stunden und 56 Km marschiert waren. Ich wartete in der Reihe, wenn die Kameraden mich riefen. Der Hauptwachmann wollte meine Meinung über den Gesundheitszustand Ihres Ehemannes hören. Ortar lag mitten auf dem Rasen; er antwortete schwach. Vollkommen geschwächt lag er im Gras, ohne die Kraft, um aufzustehen und seine magere Ration zu holen. Ich habe daraufhin erklärt, dass er sehr krank sei und seine sofortige Aufnahme im Krankenhaus angefragt. Wir haben gesehen, wie er mit fünf oder sechs Kameraden, die auch völlig erschöpft waren, auf einer kleinen Karre abgefahren wurde. Es ist mir nicht möglich, die genaue Uhrzeit seines Sterbens zu sagen. Ortar ist am 15. April 1945, am Sonntagmorgen, in Liebenwerda gestorben.“

Gruppenzugehörigkeit:  Zuchthausgefangene / Von Holzen nach Bützow-Dreibergen

de Schepper, Frans

Belgier, wurde am 14. März 1910 in Ehenbodegem geboren. Der Eisenbahner wohnte in Ehenbodegem, Burgstr. 3.
Als „Unterführer“ einer Widerstandsgruppe bei „Nacht und Nebel“ verhaftet, wurde Frans de Schepper heimlich nach Deutschland in das Untersuchungsgefängnis Bochum verschleppt.
Am 22. Mai 1943 kam de Schepper mit einem großen Sammeltransport von 150 NN-Gefangenen aus Bochum in das Zuchthaus Hameln.
Der Berliner „Volksgerichtshof“ verurteilte de Schepper und 20 andere belgische NN-Gefangene aus Hameln zwischen dem 20. und 22. Oktober wegen „Feindbegünstigung“ und teils wegen „Freischärlerei“ zum Tode.
Anschließend nach Hameln zurückverlegt, wurden die 21 Männer am 9. November 1943 zur Hinrichtung in das Zuchthaus Brandenburg gebracht.
Frans de Schepper war einer von drei Männern, die am 10. Dezember 1943 mit dem Fallbeil getötet wurden.

Gruppenzugehörigkeit:  Zuchthausgefangene / Strafanstalten / Brandenburg