Die Dokumentation der Opfer der NS-Herrschaft
in der Stadt Hameln und im Landkreis Hameln-Pyrmont
2. Die Opfer unter den Gefangenen des Zuchthauses Hameln
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Deshommes, Gustav
Belgier, wurde am 24. Juni 1916 in Aalst geboren. Der Soldat wohnte in Aalst, Beckfeldstr. 40.
Als Widerstandskämpfer und Mitglied einer „deutschfeindliche(n) Geheimorganisation“ in Ostflandern 1942 bei „Nacht und Nebel“ verhaftet, wurde Gustav Deshommes heimlich nach Deutschland in das Untersuchungsgefängnis Bochum verschleppt.
Am 22. Mai 1943 kam Deshommes mit einem großen Sammeltransport von 150 NN-Gefangenen aus Bochum in das Zuchthaus Hameln.
Der Berliner „Volksgerichtshof“ verurteilte Deshommes und 20 andere belgische NN-Gefangene aus Hameln zwischen dem 20. und 22. Oktober wegen „Feindbegünstigung“ und teils wegen „Freischärlerei“ zum Tode.
Anschließend nach Hameln zurückverlegt, wurden die 21 Männer am 9. November 1943 zur Hinrichtung in das Zuchthaus Brandenburg gebracht.
Gustav Deshommes war einer von 13 Männern, die am 22. November 1943 mit dem Fallbeil getötet wurden.
Gruppenzugehörigkeit: Zuchthausgefangene / Strafanstalten / Brandenburg
Destaercke, Jean
Belgier, wurde am 29. September 1916 in Brüssel geboren. Der Angestellte wohnte in Brüssel-Ixelles, rue Jean d´Ardennes 17.
Jean Destaercke war als „Unteroffizier“ einer Vorläufergruppe der „armée secrète“ („A.S.“), der größten, konservativen Widerstandsorganisation Belgiens, an Anschlägen auf Munitionsdepots der deutschen Besatzung beteiligt.
Im März 1942 nahm ihn die Geheime Feldpolizei „bei Nacht und Nebel“ fest und lieferte ihn am 18. März in das zentrale deutsche Wehrmachtsgefängnis Brüssel-St. Gilles ein.
1942, womöglich am 30. Januar, wurde Jean Destaercke heimlich nach Deutschland in das Gestapo-Gefängnis Brauweiler bei Köln verschleppt. Am 15. Oktober 1942 kam er – zusammen mit drei oder mehr späteren belgischen NN-Gefangenen des Zuchthauses Hameln – in das Untersuchungsgefängnis Bochum.
Noch 1942 verurteilte ihn das Sondergericht Essen in einem Sammelprozess zu fünf Jahren Zuchthaus.
Insgesamt zählten sieben spätere Hamelner Gefangene zu den Verurteilten, die alle dem Brüsseler Widerstand angehörten. Einschließlich Destaercke sollten fünf ihre Gefangenschaft nicht überleben (s. auch Namensartikel Dewael, Eysganck, Spruyt und Vervust).
Ab 28. Mai 1943 war Jean Destaercke – wie andere Verurteilte – Häftling im Strafgefangenenlager Esterwegen, einem der KZ-artigen Moorlager im Emsland.
Jean Destaercke wurde am 6. Oktober 1943 – zusammen mit anderen Verurteilten – in das Zuchthaus Hameln verlegt. Für NN-Gefangene bestand auch in Hameln eine strenge Isolationshaft mit Informations- und Kontaktverbot.
Nach wenigen Monaten wurde Jean Destaercke – wieder zusammen mit anderen Verurteilten – in das Strafgefangenenlager Esterwegen zurückverlegt.
Im Verlauf des Jahres 1944 kam Jean Destaercke wie andere belgische Lagerinsassen in das Zuchthaus Sonnenburg/Neumark in Ostbrandenburg. Dort mussten zwischen 1942 und 1945 über 1500 strikt isolierte NN-Häftlinge überharte, für viele zum Tod führende Zwangsarbeit leisten.
Jean Destaercke starb im September 1944, vermutlich am 15. des Monats, im Zuchthaus Sonnenburg.
Gruppenzugehörigkeit: Zuchthausgefangene / Strafanstalten / Sonnenburg
Detlefsen, Heinrich
wurde am 15. November 1896 in Cleve geboren. Der Zimmerer wohnte in Dortmund, Mühlenstr. 6.
Seit Anfang 1935 als KPD-Funktionär in Haft, wurde Detlefsen am 14. November 1935 in das kurz zuvor neu eingerichtete Zuchthaus Hameln verlegt.
Heinrich Detlefsen starb am 7. Mai 1936 im Zuchthaus-Lazarett. Er wurde in seinem Heimatort bestattet: „Leiche ist von der Ehefrau abgeholt.“
Gruppenzugehörigkeit: Zuchthausgefangene / Hameln
Devermelle, Edouard
Franzose, wurde am 30. Oktober 1919 in Minto im kanadischen Bundesstaat Ontario geboren. Der Bergmann wohnte in Courcelles im Departement Belfort, Les Lens Gare d´eau.
Als Widerstandskämpfer bei „Nacht und Nebel“ verhaftet, wurde Edouard Devermelle heimlich nach Deutschland in das Untersuchungsgefängnis Bochum verschleppt.
Am 22. Mai 1943 kam Edouard Devermelle mit einem großen Sammeltransport von 150 NN-Gefangenen aus dem Gefängnis Bochum in das Zuchthaus Hameln.
Am 19. Oktober 1943 wurde Edouard Devermelle in das Untersuchungsgefängnis Essen verlegt, vermutlich um ihn vom Sondergericht Essen als Widerstandskämpfer aburteilen zu lassen.
Am 2. November 1943 wurde Devermelle in das Strafgefangenenlager Esterwegen, eines der KZ-artigen Moorlager im Emsland, verschleppt.
Edouard Devermelle kam 1944, wie viele andere NN-Gefangene aus Esterwegen, in das Zuchthaus Groß Strehlitz.
Anschließend wurde er in das KZ Sachsenhausen verschleppt.
Edouard Devermelle starb am 25. Februar 1945 im KZ Sachsenhausen.
Gruppenzugehörigkeit: Zuchthausgefangene / Strafanstalten / Groß Strehlitz
Devry, Herman
Belgier, wurde am 16. Juni 1901 in Brüssel-Molenbeek geboren. Der Postbeamte wohnte in Berchem-St. Agathe, avenue Roi Albert 139.
Als Widerstandskämpfer am 2. Februar 1942 in Brüssel bei „Nacht und Nebel“ verhaftet und zunächst im Gefängnis von Brüssel-St. Gilles festgehalten, wurde Herman Devry am 4. Mai 1942 als NN-Gefangener heimlich nach Deutschland in das Untersuchungsgefängnis Essen verschleppt. Das Sondergericht Essen verurteilte ihn in einem Massenprozess gegen Widerstandskämpfer am 17. September 1942 wegen „kommunistischer Umtriebe“ zu einer hohen Freiheitsstrafe.
Gemeinsam mit anderen in diesem Prozess verurteilten Belgiern kam Herman Devry im Oktober 1942 aus dem Gefängnis Essen in das Zuchthaus Hameln.
Mit einem Sammeltransport von 80 westeuropäischen, vor allem belgischen Widerstandskämpfern wurde Devry am 19./20. Mai 1943 in das Zuchthaus Sonnenburg/Neumark in Ostbrandenburg verlegt.
Herman Devry war später Häftling im KZ Sachsenhausen, vermutlich seit November 1944.
Am 28. Januar 1945 wurde er von dort weiter nach Westen bis in das KZ Bergen-Belsen verschleppt. Dort starb Herman Devry am 22. Februar 1945, vermutlich an den erlittenen Strapazen.
Gruppenzugehörigkeit: Zuchthausgefangene / Strafanstalten / Sonnenburg


