Die Dokumentation der Opfer der NS-Herrschaft
in der Stadt Hameln und im Landkreis Hameln-Pyrmont
2. Die Opfer unter den Gefangenen des Zuchthauses Hameln
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Dewael, Robert
Belgier, wurde am 5. April 1909 in Brüssel-Anderlecht geboren. Der Beamte wohnte in Brüssel-Schaerbeck, rue Floris 38. Er war verheiratet und hatte ein Kind.
Robert Dewael war als Widerstandskämpfer an Spionageaktionen gegen die deutsche Besatzungsmacht beteiligt. Am 23. September 1941 wurde er verhaftet und in das zentrale deutsche Wehrmachtsgefängnis Brüssel-St. Gilles gesperrt.
Am 30. Januar 1942 wurde Robert Dewael heimlich, „bei Nacht und Nebel“, nach Deutschland verschleppt, wahrscheinlich – wie einige seiner Mitstreiter – in das Gestapo-Gefängnis Brauweiler bei Köln; um den 16. September 1942 soll er im Gefängnis Köln-Klingelpütz in den Händen der Gestapo gewesen sein.
Nach vielen Monaten in der Gewalt der Gestapo war Robert Dewael seit dem 16. November 1942 Häftling im Gefängnis Bochum.
Vermutlich noch 1942 verurteilte ihn das Sondergericht Essen in einem Sammelprozess zu einer Freiheitsstrafe.
Insgesamt zählten sieben spätere Hamelner Gefangene zu den Verurteilten, die alle dem Brüsseler Widerstand angehörten. Einschließlich Dewael sollten fünf ihre Gefangenschaft nicht überleben (s. auch Namensartikel Destaercke, Eysganck, Spruyt und Vervust.
Am 9. August 1943 kam Robert Dewael aus Bochum in das Strafgefangenenlager Esterwegen, eines der KZ-artigen Moorlager im Emsland.
Robert Dewael wurde am 6. Oktober 1943 – zusammen mit den anderen Verurteilten – in das Zuchthaus Hameln verlegt. Für NN-Gefangene bestand auch in Hameln eine strenge Isolationshaft mit Informations- und Kontaktverbot.
Im Unterschied zu den anderen Verurteilten wurde Robert Dewael im Januar 1944 nicht nach Esterwegen zurückverlegt, sondern kam über das Gefängnis Essen nach dem 26. November 1943 in das Zuchthaus Sonnenburg/Neumark in Ostbrandenburg. Dort saßen zwischen 1942 und 1945 über 1500 NN-Gefangene strikt isoliert ein und mussten überharte, für viele zum Tod führende Zwangsarbeit leisten.
Robert Dewael starb am 4. Mai 1944 im Zuchthaus Sonnenburg.
Gruppenzugehörigkeit: Zuchthausgefangene / Strafanstalten / Sonnenburg
Dewilde, Karel
Belgier, wurde am 29. Januar 1886 in Gent geboren. Der Rentier wohnte in Bedeberg, Brüsselschesteenweg 134.
Als Widerstandskämpfer 1942 bei „Nacht und Nebel“ verhaftet, wurde Karel Dewilde am 14. Oktober 1942 als NN-Gefangener heimlich nach Deutschland verschleppt, zunächst in das Gefängnis Aachen, dann in das Untersuchungsgefängnis Bochum. Das Sondergericht Essen verurteilte ihn am 17. November 1942 wegen „verbotenen Waffenbesitzes“ zu einer hohen Freiheitsstrafe.
Zusammen mit vielen anderen kurz zuvor verurteilten Belgiern und Franzosen kam Karel Dewilde Anfang 1943 aus dem Gefängnis Bochum in das Zuchthaus Hameln.
Mit einem Sammeltransport von 80 westeuropäischen, vor allem belgischen Widerstandskämpfern wurde Dewilde am 19./20. Mai 1943 in das Zuchthaus Sonnenburg/Neumark in Ostbrandenburg verlegt.
Karel Dewilde starb nach dem 20. Mai 1943. Das genaue Todesdatum und der Todesort sind nicht bekannt. Damit könnte Karel Dewilde zu den über 800 Sonnenburger Gefangenen gehört haben, die im Januar 1945 vor Ort von der SS erschossen wurden, um sie der Roten Armee nicht lebend in die Hände fallen zu lassen.
Gruppenzugehörigkeit: Zuchthausgefangene / Strafanstalten / Sonnenburg
Didier, Paul Fernand
Belgier, wurde am 18. Juni 1919 in Ruette geboren. Der Landarbeiter wohnte in Saint Remy.
Am 15. Juni 1944 verurteilte ein Kriegsgericht Didier als Widerstandskämpfer zu einer mehrjährigen Freiheitsstrafe.
Wie viele ausländische „Politische“ kam Didier im Zuge der Räumung frontnaher Strafanstalten im Westen mit einem vielköpfigen Sammeltransport aus dem Zuchthaus Rheinbach bei Bonn am 16. September 1944 in das Zuchthaus Hameln.
Bald nach seiner Ankunft wurde Didier in das Zuchthaus-Außenlager Holzen zum mörderischen Arbeitseinsatz gebracht. Die erlittenen Strapazen ließen ihn erkranken und dürften ihn nachhaltig geschwächt haben.
Paul Didier starb nach dem Todesmarsch vom Zuchthaus-Außenlager Holzen zum Zuchthaus Bützow-Dreibergen am 22. Juni 1945 in Bützow im 'Lazarett Mittelschule“.
Gruppenzugehörigkeit: Zuchthausgefangene / Von Holzen nach Bützow-Dreibergen
Dieste, Hans
wurde am 9. Juli 1892 in Anröchte im Kreis Lippstadt geboren. Der Postbeamte wohnte in Bochum, Kampmannstr. 20.
Seit 1941 in Haft, wurde Dieste am 18. Februar 1942 in das Zuchthaus Hameln verlegt.
Hans Dieste starb am 20. Juni 1943 im Zuchthaus.
Gruppenzugehörigkeit: Zuchthausgefangene / Hameln
Diestel, Robert
wurde am 13. Februar 1886 in Lengede im Kreis Peine geboren. Der Schlachtermeister wohnte in Braunschweig-Lehndorf, Hannoversche Str. 12.
Seit Oktober 1939 in Gestapo-„Schutzhaft“, wurde Diestel im Februar 1940 für ein Jahr in das KZ Sachsenhausen verschleppt (zeitgleich seine Frau in das KZ Ravensbrück), um anschließend von der Justiz in Untersuchungshaft genommen zu werden.
Am 29. Oktober 1941 wurde Diestel nach „Kriegssonderstrafrecht“ zu einer drakonischen Freiheitsstrafe verurteilt. Nach einem Vierteljahr, am 21. Januar 1942, kam er in das Zuchthaus Hameln.
1944 erkrankte Diestel so schwer, dass er ab 15. November 1944 als auf Bewährung entlassen galt. Da er nicht reisefähig war, wurde seine Ehefrau an diesem Tage per Telegramm aufgefordert, ihn aus dem Zuchthaus abholen.
Dazu kam es nicht, denn Robert Diestel starb am 16. November 1944 im Zuchthaus-Lazarett. Da er offenbar nicht überführt wurde, dürfte Diestel auf dem Friedhof Wehl bestattet worden sein.
Gruppenzugehörigkeit: Zuchthausgefangene / Hameln


