Die Dokumentation der Opfer der NS-Herrschaft
in der Stadt Hameln und im Landkreis Hameln-Pyrmont
2. Die Opfer unter den Gefangenen des Zuchthauses Hameln
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Dijkslag, Albertus
Niederländer, wurde am 24. Oktober 1914 in Hengelo geboren. Der Bankkassierer wohnte in Hengelo. Vor seiner Verhaftung war er im Arbeitseinsatz in Hannover.
Albertus Dijkslag wurde kurz nach seiner Verurteilung, am 16. Mai 1944, in das Zuchthaus Hameln eingeliefert, um hier bis zum 5. März 1945 einzusitzen, obwohl seine Strafzeit bereits am 22. Februar 1945 abgelaufen war.
Anschließend wurde er von der Polizei Hameln in „Schutzhaft“ genommen und an die Gestapo Hannover ausgeliefert. Albertus Dijkslag starb am 14. März 1945 im „Arbeitserziehungslager“ Lahde/Weser, dem KZ der Gestapo Hannover.
Gruppenzugehörigkeit: Zuchthausgefangene / Gestapogefängnis-Ghetto-KZ
Dinand, Adolphe Norbert
Belgier, wurde am 19. Juni 1920 in Aalst geboren. Der Soldat wohnte in Aalst, Gustav-Papestr. 76.
Als Widerstandskämpfer und Mitglied einer „deutschfeindliche(n) Geheimorganisation“ in Ostflandern 1942 bei „Nacht und Nebel“ verhaftet und heimlich nach Deutschland verschleppt, kam Adolphe Dinand in einer Gruppe von 13 belgischen NN-Gefangenen über das Strafgefängnis Vechta am 15. September 1943 in das Zuchthaus Hameln.
Der Berliner „Volksgerichtshof“ verurteilte Dinand und 20 andere belgische NN-Gefangene aus Hameln zwischen dem 20. und 22. Oktober wegen „Feindbegünstigung“ und teils wegen „Freischärlerei“ zum Tode.
Anschließend nach Hameln zurückverlegt, wurden die 21 Männer am 9. November 1943 zur Hinrichtung in das Zuchthaus Brandenburg gebracht.
Adolphe Dinand war einer von 13 Männern, die am 22. November 1943 mit dem Fallbeil getötet wurden.
Gruppenzugehörigkeit: Zuchthausgefangene / Strafanstalten / Brandenburg
Diseur, Leon
Belgier, wurde am 23. März 1923 in Brüssel-St. Gilles geboren. Der Student wohnte in Brüssel-Schaerbeek, rue Guido Gezelle 31.
Als Mitglied einer Brüsseler Widerstandsgruppe war Leon Diseur 1941 an einem Anschlag auf ein Munitionsdepot der Wehrmacht beteiligt. Daraufhin nahm ihn die Geheime Feldpolizei am 14. Oktober 1941 in seiner Wohnung fest und sperrte ihn in das zentrale deutsche Wehrmachtsgefängnis Brüssel-St. Gilles.
Am 30. Januar 1942 wurde Leon Diseur heimlich, bei „Nacht und Nebel“, nach Deutschland in das Gestapo-Gefängnis Brauweiler bei Köln verschleppt. Dort musste er über acht quälend lange Monate bleiben, bevor er am 15. Oktober 1942 – mit drei oder mehr späteren belgischen NN-Gefangenen des Zuchthauses Hameln – in das Untersuchungsgefängnis Bochum gebracht wurde.
Am 22. Mai 1943 wurde Leon Diseur mit einem großen Sammeltransport von 150 NN-Gefangenen aus dem Gefängnis Bochum in das Zuchthaus Hameln verlegt. Für NN-Gefangene bestand auch in Hameln eine strenge Isolationshaft mit Informations- und Kontaktverbot.
Am 19. Januar 1944 wurde Leon Diseur in das Strafgefangenenlager Esterwegen, eines der KZ-artigen Moorlager im Emsland, verschleppt.
Damit teilte er das Schicksal von mehr als 50 Männern des NN-Transportes vom 22. Mai 1943, die zumeist Anfang 1944 von Hameln nach Esterwegen kamen.
Spätestens jetzt wird Leon Diseur vor dem (vor Ort tagenden) Sondergericht Essen gestanden haben. Es verurteilte ihn zu zwei Jahren Zuchthaus wegen Mitgliedschaft in einer illegalen Organisation.
Im weiteren Verlauf des Jahres 1944 lieferte die NS-Justiz NN-Gefangene an die Gestapo aus, so auch Leon Diseur.
Die Gestapo verschleppte ihn über das Gefängnis Lingen, wo er am 15. Mai 1944 einsaß, in das KZ Sachsenhausen und von dort am 9. Februar 1945 weiter in das KZ Bergen-Belsen.
Leon Diseur kam am 3. März 1945 im KZ Bergen-Belsen um.
Gruppenzugehörigkeit: Zuchthausgefangene / Strafanstalten / Esterwegen
Doctor, Erich
wurde am 30. August 1884 in Frankenstein in der Grafschaft Glatz/Schlesien geboren. Der Arbeiter, der jüdischen Glaubens war, wohnte in Berlin-Pankow, Vinctastr. 64.
Seit mehreren Monaten als rassisch Verfolgter in Haft, wurde Doctor am 17. Dezember 1941 in das Zuchthaus Hameln eingeliefert, um knapp ein Jahr später, am 13. November 1942, mit einem vielköpfigen Transport zumeist jüdischer Langzeit-Gefangener für das letzte halbe Jahr seiner Strafzeit in das Zuchthaus Celle weiterverlegt zu werden.
Nach Ablauf am 22. April 1943 kam Doctor als „Schutzhaftgefangener“ in das Gerichtsgefängnis Celle und von dort am 22. Mai 1943 zusammen mit weiteren 18 jüdischen Häftlingen in das KZ Auschwitz. Dort kam er am 16. September 1943 um.
Gruppenzugehörigkeit: Zuchthausgefangene / Gestapogefängnis-Ghetto-KZ
Dohren, Karl Peter
wurde am 24. Juni 1913 in Krefeld geboren. Der kaufmännische Angestellte wohnte in Krefeld, Hubertusstr. 100.
Grund und Zeitpunkt seiner Inhaftierung sind nicht bekannt.
Karl Peter Dohren kam im Zuge der Räumung frontnaher Strafanstalten im Westen mit einem vielköpfigen Sammeltransport aus dem Zuchthaus Remscheid-Lüttringhausen am 2. November 1944 in das Zuchthaus Hameln.
Karl Peter Dohren starb am 30. Dezember 1944 im Zuchthaus und wurde auf dem Friedhof Wehl bestattet (Feld C I/5).
Gruppenzugehörigkeit: Zuchthausgefangene / Hameln


