Die Dokumentation der Opfer der NS-Herrschaft
in der Stadt Hameln und im Landkreis Hameln-Pyrmont
2. Die Opfer unter den Gefangenen des Zuchthauses Hameln
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Ehrhardt, Justus
wurde am 6. September 1899 in Witzenhausen geboren. Der Maler wohnte in Göttingen, Ebertal C 1b.
Seit 1933 als politischer Gefangener in Haft, wurde Ehrhardt am 24. Mai 1934 in die Strafanstalt Hameln, derzeit noch ein Gefängnis, eingeliefert, um hier bis zum 1. August des Jahres seine Reststrafe abzusitzen.
Anschließend kam er in das Gerichtsgefängnis Hannover, vermutlich weil ihm ein weiterer Prozess (und eine weitere Freiheitsstrafe) bevorstand. Seit Sommer 1937 wurde Ehrhardt in einem namentlich nicht genannten KZ festgehalten; dort oder in einem anderen namentlich nicht genannten KZ kam er am 8. Mai 1944 um.
Gruppenzugehörigkeit: Zuchthausgefangene / Gestapogefängnis-Ghetto-KZ
Eichel, Helmuth
wurde am 26. Juli 1894 in Wilhelmshaven geboren. Der Seemann wohnte in Wilhelmshaven, Schillerstr. 20.
Seit 1943 in Haft und am 28. Januar 1944 nach „Kriegssonderstrafrecht“ zu einer langjährigen Freiheitsstrafe verurteilt, wurde Eichel am 1. März 1944 in das Zuchthaus Hameln verlegt.
Eichel kam in das Zuchthaus-Außenlager Holzen zum mörderischen Arbeitseinsatz. Die erlittenen Strapazen ließen ihn bald erkranken, so dass er als 'nicht außenarbeitsfähig' nach Hameln zurückverlegt wurde.
Helmuth Eichel starb nach der Befreiung am 10. Mai 1945 im Zuchthaus. Er gehörte zu den 27 Toten deutscher Nationalität, die im April und Mai 1945 vorläufig auf dem Zuchthausgelände begraben wurden. Helmuth Eichel wurde gegen Ende Mai (oder bereits am 13. Mai) auf den Friedhof Wehl ohne Sarg in ein doppelt belegtes Grab umgebettet (Feld C I/77).
Gruppenzugehörigkeit: Zuchthausgefangene / Hameln
Eichholz, Fritz
wurde am 22. Juni 1900 in Delmenhorst geboren. Der Schneider, der jüdischen Glaubens war, wohnte in Hamburg, Gehrhofstr. 18.
Als rassisch Verfolgter seit 1937 in Haft, wurde er zusammen mit anderen jüdischen Gefangenen am 28. August 1940 aus dem Zuchthaus Celle in das Zuchthaus Hameln verlegt. In den Celler Außenlagern Mulmshorn oder Lührsbockel hatten diese Männer Hunger und schwere Misshandlungen zu erleiden.
Am Tag seiner Entlassung, dem 19. November 1941, wurde Eichholz von der Zuchthausverwaltung „der Polizei Hameln zwecks Überführung in das Polizeigefängnis Hamburg-Fuhlsbüttel übergeben (Evakuierung)“. Von Hamburg aus wurde Eichholz am 6. Dezember 1941 mit einem großen Sammeltransport, darunter die Mitgefangenen Brill, Alexander und Zucker, in das Ghetto Riga deportiert. Dort ist Eichholz verschollen.
Gruppenzugehörigkeit: Zuchthausgefangene / Gestapogefängnis-Ghetto-KZ
Einsporn, Karl
wurde am 17. Mai 1872 in Zülchow geboren. Der Invalide wohnte in Wietze Nr. 64 im Kreis Celle.
Seit einem halben Jahr in Haft, wurde Einsporn am 18. Oktober 1935 in das Zuchthaus Hameln eingeliefert und gehörte damit zur Erstbelegung der Mitte des Monats in ein Zuchthaus umgewandelten Strafanstalt. Bis zu seiner Entlassung am 24. November 1937 blieb Einsporn in Hameln, und hatte zwischen 1940 und 1943 eine weitere Strafe im Zuchthaus Celle zu verbüßen.
Nach deren Ablauf wurde Einsporn am 10. April 1943 in das Gestapogefängnis Hannover gebracht und anschließend in das KZ Neuengamme deportiert. Dort kam der 71-Jährige am 28. Juni 1943 ums Leben.
Gruppenzugehörigkeit: Zuchthausgefangene / Gestapogefängnis-Ghetto-KZ
Elskens, Victor-René
Belgier, wurde am 4. Januar 1904 in Lebbeke, Ostflandern, geboren. Der Arbeiter wohnte in Lebbeke, Brusselschesteenweg 166.
Victor Elskens war seit Juni 1941 Mitglied der Widerstandsgruppe „B.V.L.“ (niederl.: „Bevrijdingsleger“ / „Belgisch Vrijwilligerslegioen“; franz.: „A.L.“ = „armée de la libération“). Die Geheime Feldpolizei verhaftete ihn am 12. Oktober 1942 „bei Nacht und Nebel“ und sperrte ihn zunächst in das Gefängnis von Dendermonde, um ihn anderntags in das deutsche Wehrmachtsgefängnis Gent zu bringen. Am 22. März 1943 wurde Victor Elskens heimlich nach Deutschland in das Gefängnis Bochum verschleppt.
Am 22. Mai 1943 kam Victor Elskens mit einem großen Sammeltransport von 150 NN-Gefangenen aus Bochum in das Zuchthaus Hameln. Für NN-Gefangene bestand auch in Hameln eine strenge Isolationshaft mit Informations- und Kontaktverbot.
Am 29. April 1944 wurde Victor Elskens zusammen mit knapp 70 Belgiern und Franzosen des genannten Transports in das von alliierten Bomben nicht bedrohte Zuchthaus Groß Strehlitz in Oberschlesien weiterverlegt, den zentralen Zielort für NN-Verschleppte seit Frühjahr 1944 und bis zur Deportation in KZs im Herbst 1944.
Aus Groß Strehlitz kam Victor Elskens am 22. Mai 1944 in das Zuchthaus-Außenlager Laband bei Gleiwitz. Dort mussten NN-Gefangene für die örtliche Niederlassung der Oberschlesischen Hüttenwerke Zwangsarbeit leisten.
Am 3. September zurück in Groß Strehlitz wurde Victor Elskens mit Räumung dieses Zuchthauses am 30. Oktober 1944 vor der herannahenden Roten Armee auf einen mörderischen Todesmarsch zum KZ Groß Rosen in Niederschlesien gezwungen, den er wie Hunderte seiner zumeist belgischen Leidensgenossen nicht lange überlebte.
Viktor Elskens ist seit Februar 1945 „verschollen“, also wahrscheinlich im KZ Groß Rosen oder auf einem Todesmarsch Richtung Westen umgekommen.
Gruppenzugehörigkeit: Zuchthausgefangene / Strafanstalten / Groß Strehlitz


