Die Dokumentation der Opfer der NS-Herrschaft
in der Stadt Hameln und im Landkreis Hameln-Pyrmont
 

2.  Die Opfer unter den Gefangenen des Zuchthauses Hameln

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Erkens, Hugo

wurde am 30. März 1896 in Duisburg-Ruhrort geboren. Der Hafenarbeiter wohnte in Duisburg-Ruhrort, Kreuzstr. 3.
Als der KPD-Funktionär zusammen mit vielen anderen politischen Gefangenen am 8. November 1935 in Hameln eintraf, war die Strafanstalt gerade in ein Zuchthaus umgewidmet worden. Erkens, der kurz zuvor aus politischen Gründen verurteilt worden war, verbüßte in Hameln fast seine gesamte Strafe.
Mit seiner Entlassung am 28. Februar 1938 nahm ihn die Hamelner Polizei in „Schutzhaft“ und übergab ihn der Gestapo Düsseldorf. Diese verschleppte ihn am 17. März 1938 in das KZ Buchenwald, wo er noch im selben Jahr, am 5. Dezember, an „Herzschwäche“ starb.

Gruppenzugehörigkeit:  Zuchthausgefangene / Gestapogefängnis-Ghetto-KZ

Ernst, Eduard

Belgier, wurde am 18. September 1919 in Aalst geboren. Der Soldat wohnte in Aalst, Dreischlüsselstr. 62.
Als Widerstandskämpfer und Mitglied einer „deutschfeindliche(n) Geheimorganisation“ in Ostflandern 1942 bei „Nacht und Nebel“ verhaftet und heimlich nach Deutschland verschleppt, kam Eduard Ernst in einer Gruppe von 13 belgischen NN-Gefangenen über das Strafgefängnis Vechta am 15. September 1943 in das Zuchthaus Hameln.
Der Berliner „Volksgerichtshof“ verurteilte Ernst und 20 andere belgische NN-Gefangene aus Hameln zwischen dem 20. und 22. Oktober wegen „Feindbegünstigung“ und teils wegen „Freischärlerei“ zum Tode.
Anschließend nach Hameln zurückverlegt, wurden die 21 Männer am 9. November 1943 zur Hinrichtung in das Zuchthaus Brandenburg gebracht.
Eduard Ernst war einer von 13 Männern, die am 22. November 1943 mit dem Fallbeil getötet wurden.

Gruppenzugehörigkeit:  Zuchthausgefangene / Strafanstalten / Brandenburg

Evermann, Giesbert

wurde am 10. Juni 1880 in Herringen im Kreis Unna geboren. Der Bauer wohnte in Hohensonne im Kreis Detmold.
Seit 1943 in Haft und am 1. Februar 1944 nach „Kriegssonderstrafrecht“ verurteilt, wurde Evermann am 8. März 1944 in das Zuchthaus Hameln verlegt.
Giesbert Evermann starb am 19. Februar 1945 im Zuchthaus und dürfte auf dem Friedhof Wehl bestattet worden sein.

Gruppenzugehörigkeit:  Zuchthausgefangene / Hameln

Evertz, Max

wurde am 9. Oktober 1903 in Remscheid geboren. Der Ingenieur wohnte in Remscheid, Ludendorfstr. 26.
Seit 1939 in Haft, wurde Evertz am 24. Februar 1941 für knapp ein Jahr in das Zuchthaus Hameln eingeliefert.
Nach dem Ende seiner Strafzeit verbrachte ihn die Polizei Hameln am 19. Dezember 1941 als „Schutzhaftgefangenen“ in das Gerichtsgefängnis, aus dem er an Heiligabend an die Gestapo Wuppertal „überführt“ wurde. Über das KZ Buchenwald kam Evertz am 13. März 1942 in das KZ Ravensbrück (Männerlager). Dort wurde er am 11. Juli 1942 um sein Leben gebracht.

Gruppenzugehörigkeit:  Zuchthausgefangene / Gestapogefängnis-Ghetto-KZ

Eysganck, Constant

Belgier, wurde am 22. Januar 1921 in Brüssel geboren. Der Angestellte wohnte in Brüssel, rue de Louvain 68a.
Constant Eysganck war seit Juni 1941 Mitglied der „groupe grenadier“, einer Vorläufergruppe der „armée secrète“, der größten, konservativen Widerstandsorganisation Belgiens. Am 24. September 1941 nahm ihn die deutsche „Sicherheitspolizei“ (SiPo-SD) mit anderen Gruppenmitgliedern fest und lieferte ihn in das zentrale deutsche Wehrmachtsgefängnis Brüssel-St. Gilles ein.
Am 30. Januar 1942 wurde Constant Eysganck heimlich nach Deutschland in ein Kölner Gefängnis transportiert, vermutlich in das Gestapo-Gefängnis Brauweiler. Anschließend – am 15. Oktober 1942 ? – kam Constant Eysganck in das Gefängnis Bochum und von dort womöglich am 28. Mai 1943 in das Strafgefangenenlager Esterwegen, eines der KZ-artigen Moorlager im Emsland.
Wohl schon 1942 hatte ihn das Sondergericht Essen in einem Sammelprozess zu einer vermutlich mehrjährigen Freiheitsstrafe verurteilt.
Insgesamt zählten sieben spätere Hamelner Gefangene zu den Verurteilten, die alle dem Brüsseler Widerstand angehörten. Einschließlich Eysganck sollten fünf ihre Gefangenschaft nicht überleben (s. auch Namensartikel Dewael, Destaercke, Spruyt und Vervust).
Constant Eysganck wurde am 6. Oktober 1943 – zusammen mit den anderen Verurteilten – aus Esterwegen in das Zuchthaus Hameln verlegt. Für NN-Gefangene bestand auch in Hameln eine strenge Isolationshaft mit Informations- und Kontaktverbot.
Nach wenigen Monaten, am 12. Januar 1944, wurde Constant Eysganck – unter anderem mit den genannten Verurteilten – in das Strafgefangenenlager Esterwegen zurückverlegt.
Im Herbst 1944 lieferte die Justiz NN-Gefangene vermehrt an die Gestapo aus, so auch Constant Eysganck im September 1944.
Für ihn begann eine Odyssee durch mehrere KZs, die er nicht überlebte:
Über das Gefängnis Lingen am 1. September 1944 in das KZ Natzweiler im Elsaß, am 6. September in das KZ Dachau und womöglich am 13. Dezember 1944 in das KZ Buchenwald sowie möglicherweise am 20. Februar 1945 in das KZ Sachsenhausen.
In Buchenwald bzw. auf dem Transport nach Sachsenhausen verliert sich seine Spur; festhalten lässt sich lediglich, dass Constant Eysganck zur Jahreswende 1944/45 umgekommen ist.

Gruppenzugehörigkeit:  Zuchthausgefangene / Strafanstalten / Esterwegen