Die Dokumentation der Opfer der NS-Herrschaft
in der Stadt Hameln und im Landkreis Hameln-Pyrmont
 

2.  Die Opfer unter den Gefangenen des Zuchthauses Hameln

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Giese, Theophil

wurde am 4. April 1897 in Lesniczowka bei Lublin als geboren. Der Kraftfahrer war Angehöriger der deutschen Minderheit in Polen, war aber schon vor längerer Zeit nach Deutschland gezogen und wohnte mit seiner Frau in Hannover, Nordfelderreihe 22.
Seit 1943 aufgrund einer Verurteilung nach „Kriegssonderstrafrecht“ in Haft, wurde Giese am 16. Mai 1944 in das Zuchthaus Hameln verlegt.
Theophil Giese starb am 9. August 1944 im Stadtkrankenhaus Hameln, in das er vermutlich wegen einer schweren Erkrankung gekommen war, und wurde auf dem Friedhof Wehl bestattet (F I/55). Mit 16 weiteren zumeist ausländischen Zuchthaus-Toten sowie 23 toten Zwangsarbeitern wurde Giese im März 1972 auf Feld F II umgebettet (F II/231) und erhielt einen beschrifteten Grabstein.

Gruppenzugehörigkeit:  Zuchthausgefangene / Hameln

Giesecke, August Ernst Wilhelm

wurde am 20. Februar 1891 in Sibbesse im Kreis Hildesheim geboren. Der Tiefbauarbeiter wohnte in Hildesheim, Orleansstr. 75.
Seit 1943 in Haft, wurde Giesecke am 16. Mai 1944 in das Zuchthaus Hameln verlegt.
August Ernst Wilhelm Giesecke starb am 4. Februar 1945 im Zuchthaus und wurde auf dem Friedhof Wehl bestattet (Feld C I/8).

Gruppenzugehörigkeit:  Zuchthausgefangene / Hameln

Gillard, Paul

Belgier, wurde am 25.August 1921 in Brüssel-Ixelles geboren. Der Student wohnte in Salzinnes bei Namur, rue de la Chapelle 17.
Paul Gillard war im Widerstand an Sabotageaktivitäten beteiligt. Die Geheime Feldpolizei nahm ihn am 28. September 1942 bei „Nacht und Nebel“ fest und sperrte ihn zunächst in das deutsche Wehrmachtsgefängnis Namur.
Über das zentrale deutsche Wehrmachtsgefängnis Brüssel-St. Gilles wurde Paul Gillard vermutlich um die Jahreswende 1942/43 heimlich nach Deutschland in das Gefängnis Bochum verschleppt.
Am 22. Mai 1943 kam Paul Gillard mit einem großen Sammeltransport von 150 NN-Gefangenen aus Bochum in das Zuchthaus Hameln. Für NN-Gefangene bestand auch in Hameln eine strenge Isolationshaft mit Informations- und Kontaktverbot.
Am 1. März 1944 wurde Paul Gillard über Hannover in das KZ-artige Moorlager Börgermoor im Emsland verschleppt, vermutlich weil das „zuständige“ Strafgefangenenlager Esterwegen vollkommen überfüllt war.
Über 50 Männer des genannten NN-Transportes kamen zumeist Anfang 1944 von Hameln nach Esterwegen, während knapp 70 Männer dieses Transportes im April 1944 in das oberschlesische Zuchthaus Groß Strehlitz gebracht wurden, den zentralen Zielort für NN-Verschleppte seit Frühjahr 1944 und bis zur Deportation in KZs im Herbst 1944.
Paul Gillard kam am 15. März 1944, wie viele NN-Gefangene aus den Emslandlagern, ebenfalls auf Transport in das von alliierten Bomben nicht bedrohte Zuchthaus Groß Strehlitz.
Am 24. September 1944, nach einem halben Jahr, als die Justiz die NN-Gefangenen vermehrt an die Gestapo auslieferte, wurde Paul Gillard nach Brieg südlich von Breslau verschleppt, wo ein Außenlager des KZ Groß Rosen bestand.
Mit Räumung des KZ vor der heranrückenden Roten Armee ab 22. Januar 1945 wurde Paul Gillard auf einen Todesmarsch Richtung Westen gezwungen, der vermutlich das KZ Buchenwald (oder das KZ Mittelbau-Dora) zum Ziel hatte.
Dort kam Paul Gillard jedoch nicht an, wie viele andere Leidensgenossen, die unterwegs vor Erschöpfung starben oder ermordet wurden.
Über Langenbielau (15. Februar 1945) und Zeitz (8. März 1945) war, erreichte er Halle/Saale. Ob er im örtlichen Zuchthaus untergebracht wurde, ist nicht bekannt.
Paul Gillard starb am 2. April 1945 in Halle/Saale, kurz vor der Befreiung der Stadt.

Gruppenzugehörigkeit:  Zuchthausgefangene / Strafanstalten / Groß Strehlitz

Gilles, Francois

Belgier, wurde am 27. März 1921 in Namur, Wallonien, geboren. Der ehemalige Soldat wohnte in Namur, rue Francois Dufer 30.
Francois Gilles gehörte einer Widerstandsgruppe an, die Sabotageaktionen durchführte. Deshalb wurden er und andere Gruppenmitglieder von der deutschen „Sicherheitspolizei“ (SiPo-SD) am 7. August 1942 bei „Nacht und Nebel“ verhaftet und zunächst in das deutsche Wehrmachtsgefängnis Namur gebracht, von dort am 25. Dezember 1942 in das zentrale deutsche Wehrmachtsgefängnis Brüssel-St. Gilles.
Am 27. Dezember 1942 wurde Francois Gilles heimlich nach Deutschland in das Gefängnis Bochum verschleppt.
Am 22. Mai 1943 kam Francois Gilles mit einem großen Sammeltransport von 150 NN-Gefangenen aus Bochum in das Zuchthaus Hameln. Für NN-Gefangene bestand auch in Hameln eine strenge Isolationshaft mit Informations- und Kontaktverbot.
Am 1. März 1944 wurde Francois Gilles in das Strafgefangenenlager Esterwegen, eines der KZ-artigen Moorlager im Emsland, verschleppt.
Über 50 Mann des genannten NN-Transportes kamen zumeist Anfang 1944 von Hameln nach Esterwegen, während knapp 70 Mann dieses Transportes im April 1944 in das oberschlesische Zuchthaus Groß Strehlitz gebracht wurden, den zentralen Zielort für NN-Verschleppte seit Frühjahr 1944 und bis zur Deportation in KZs im Herbst 1944.
Francois Gilles kam im Verlauf des Jahres 1944, wie viele andere NN-Gefangene aus Esterwegen, ebenfalls auf Transport in das von alliierten Bomben nicht bedrohte Zuchthaus Groß Strehlitz.
Mit Räumung dieses Zuchthauses am 30. Oktober 1944 vor der herannahenden Ostfront wurde Francois Gilles auf einen mörderischen Todesmarsch zum KZ Groß Rosen in Niederschlesien gezwungen, dem Hunderte seiner zumeist belgischen Leidensgenossen zum Opfer fielen.
Als das KZ bis Anfang Februar 1945 ebenfalls geräumt wurde, musste Francois Gilles einen Todesmarsch Richtung Westen, zum KZ Mittelbau-Dora in Thüringen, mitmachen, den er nicht überlebte.
Francois Gilles soll am 6. März 1945 in Nordhausen gestorben sein, also wohl im KZ Mittelbau-Dora.
Auch das KZ Buchenwald (das auf der Strecke nach Mittelbau-Dora liegt) wird als Todesort genannt.

Gruppenzugehörigkeit:  Zuchthausgefangene / Strafanstalten / Groß Strehlitz

Glineur, Paul

Belgier, wurde am 8. Juni 1899 in Nivelles in Wallonisch-Brabant südlich von Brüssel geboren. Der Postangestellte wohnte im benachbarten Pont-à-Celles, rue Liberte 1.
Paul Glineur war im Widerstand an der Fluchthilfe für abgeschossene alliierte Piloten und andere von der deutschen Besatzungsmacht Verfolgte beteiligt. Die Geheime Feldpolizei verhaftete ihn am 17. September 1942 und sperrte ihn für fast ein Jahr in das zentrale deutsche Wehrmachtsgefängnis Brüssel-St. Gilles.
Am 28. August 1943 wurde Paul Glineur heimlich nach Deutschland in das Gefängnis Essen verschleppt.
Mit einem Sammeltransport von zehn NN-Gefangenen, darunter der „Légion Belge“-Führer André Duesberg und seine Mitstreiter (s. die entsprechenden Namensartikel), traf Paul Glineur am 8. September 1943 im Zuchthaus Hameln ein. Für NN-Gefangene bestand auch in Hameln eine strenge Isolationshaft mit Informations- und Kontaktverbot.
Am 29. April 1944 wurde Paul Glineur zusammen mit knapp 70 Belgiern und Franzosen in das von alliierten Bomben nicht bedrohte Zuchthaus Groß Strehlitz in Oberschlesien weiterverlegt, den zentralen Zielort für NN-Verschleppte seit Frühjahr 1944 und bis zur Deportation in KZs im Herbst 1944.
Mit Räumung dieses Zuchthauses am 30. Oktober 1944 vor der herannahenden Roten Armee wurde Paul Glineur auf einen mörderischen Todesmarsch zum KZ Groß Rosen in Niederschlesien gezwungen, den er wie Hunderte seiner zumeist belgischen Leidensgenossen nicht überlebte.
Paul Glineur starb am 1. Dezember 1944 im KZ Groß Rosen.

Gruppenzugehörigkeit:  Zuchthausgefangene / Strafanstalten / Groß Strehlitz