Die Dokumentation der Opfer der NS-Herrschaft
in der Stadt Hameln und im Landkreis Hameln-Pyrmont
2. Die Opfer unter den Gefangenen des Zuchthauses Hameln
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Jacob, Leon
Belgier, wurde am 9. April 1920 in Moerzeke bei Dendermonde geboren. Der Maler wohnte in Moerzeke, Omergangstr. 1.
Als Widerstandskämpfer und Mitglied der „Belgischen Freiwilligen Legion“ in Ostflandern bei „Nacht und Nebel“ verhaftet und heimlich nach Deutschland verschleppt, kam Leon Jacob in einer Gruppe von 13 belgischen NN-Gefangenen über das Strafgefängnis Vechta am 15. September 1943 in das Zuchthaus Hameln.
Der Berliner „Volksgerichtshof“ verurteilte Leon Jacob und 20 andere belgische NN-Gefangene aus Hameln zwischen dem 20. und 22. Oktober wegen „Feindbegünstigung“ und teils wegen „Freischärlerei“ zum Tode.
Anschließend nach Hameln zurückverlegt, wurden die 21 Männer am 9. November 1943 zur Hinrichtung in das Zuchthaus Brandenburg gebracht.
Leon Jacob war einer von fünf Männern, die als erste am 15. November 1943 mit dem Fallbeil getötet wurden.
Gruppenzugehörigkeit: Zuchthausgefangene / Strafanstalten / Brandenburg
Jacobs, Camille
Belgier, wurde am 2. Juli 1917 geboren (in Welkenraedt?). Der Dreher wohnte in Welkenraedt, nördlich von Eupen, rue de Dison 60.
Camille Jacobs gehörte dem Widerstand in den belgischen Grenzgemeinden an, die 1940 zusammen mit Eupen-Malmedy von NS-Deutschland annektiert wurden. Die Gestapo Eupen verhaftete ihn am 1. August 1942 bei „Nacht und Nebel“ in Aachen und sperrte ihn in das Gefängnis Aachen.
Camille Jacobs scheint zu einer größeren Gruppe von Angeklagten gehört zu haben, die um die Jahreswende 1942/43 vor dem (auswärts tagenden?) Berliner „Volksgerichtshof“ stand. Näheres ist nicht bekannt. Die Tatvorwürfe müssen aber gravierend gewesen sein, denn das höchste NS-Gericht zog nur „schwere Fälle“ der NN-Verfahren an sich.
Um den 1. April 1943 soll Camille Jacobs Häftling des Untersuchungsgefängnisses Bochum gewesen sein.
Am 22. Mai 1943 kam Camille Jacobs mit einem großen Sammeltransport von 150 NN-Gefangenen in das Zuchthaus Hameln. Für NN-Gefangene bestand auch in Hameln eine strenge Isolationshaft mit Informations- und Kontaktverbot.
Am 29. April 1944 wurde Camille Jacobs zusammen mit knapp 70 Belgiern und Franzosen des genannten Transports in das von alliierten Bomben nicht bedrohte Zuchthaus Groß Strehlitz in Oberschlesien weiterverlegt, den zentralen Zielort für NN-Verschleppte seit Frühjahr 1944 und bis zur Deportation in KZs im Herbst 1944.
Mit Räumung dieses Zuchthauses am 30. Oktober 1944 vor der herannahenden Roten Armee wurde Camille Jacobs auf einen mörderischen Todesmarsch zum KZ Groß Rosen in Niederschlesien gezwungen, dem Hunderte seiner zumeist belgischen Leidensgenossen zum Opfer fielen. Als das KZ Anfang Februar 1945 ebenfalls geräumt wurde, musste Camille Jacobs einen Todesmarsch zum KZ Mittelbau-Dora in Thüringen mitmachen, den er nicht überlebte.
Camille Jacobs starb am 17. Februar 1945 im KZ Mittelbau-Dora.
Gruppenzugehörigkeit: Zuchthausgefangene / Strafanstalten / Groß Strehlitz
Jacquemai, Maurice Roger
Schweizer, wurde am 10. September 1924 in Delemont geboren. Der Arbeiter wohnte in Maiche im französischen Departement Doubs.
Am 17. Mai 1944 wurde Jacquemai als Widerstandskämpfer von einem Kriegsgericht in Frankreich zu einer langjährigen Freiheitsstrafe verurteilt.
Er kam im Zuge der Räumung frontnaher Strafanstalten im Westen mit einem vielköpfigen Sammeltransport aus dem Zuchthaus Rheinbach bei Bonn am 16. September 1944 in das Zuchthaus Hameln.
Jacquemai wurde in das Zuchthaus-Außenlager Holzen zum mörderischen Arbeitseinsatz gebracht. Die erlittenen Strapazen dürften ihn nachhaltig geschwächt haben.
Maurice Jacquemai starb nach dem Todesmarsch vom Zuchthaus-Außenlager Holzen zum Zuchthaus Bützow-Dreibergen am 16. Mai 1945 in Dreibergen.
Gruppenzugehörigkeit: Zuchthausgefangene / Von Holzen nach Bützow-Dreibergen
Jakobs, Peter
Niederländer, wurde an 18. Dezember 1921 in Arnheim geboren. Vor seiner Verhaftung war er als Kranführer im Arbeitseinsatz und wohnte in Hannover, Bülowstr. 3.
Seit 1943 in Haft, wurde Jakobs am 16. Mai 1944 vom Zuchthaus Celle in das Zuchthaus Hameln verlegt.
Nach Ablauf seiner Zuchthausgefangenschaft, am 21. August 1944, nahm ihn die Polizei Hameln in „Schutzhaft" und sperrte ihn für einen Monat in das Gerichtsgefängnis, um ihn am 20. September 1944 in das Gestapogefängnis Hannover-Ahlem zu „überführen“.
Da Jakobs als verschollen gilt, dürfte er in Ahlem oder im „Arbeitserziehungslager" Lahde/Weser, dem KZ der Gestapo Hannover, umgekommen sein.
Gruppenzugehörigkeit: Zuchthausgefangene / Gestapogefängnis-Ghetto-KZ
Janes, Christian Johann August
wurde am 21. Februar 1907 in Rath im Kreis Düren-Land geboren. Er war Arbeiter, sein Wohnort ist unbekannt.
Grund und Zeitpunkt seiner Inhaftierung sind ebenfalls nicht bekannt.
Janes wurde im Juni 1940 in das Zuchthaus Hameln verlegt.
Christian Janes nahm sich wenig später, am 9. Juli 1940, im Zuchthaus das Leben, indem er sich erhängte.
Gruppenzugehörigkeit: Zuchthausgefangene / Hameln


