Die Dokumentation der Opfer der NS-Herrschaft
in der Stadt Hameln und im Landkreis Hameln-Pyrmont
 

2.  Die Opfer unter den Gefangenen des Zuchthauses Hameln

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Johanntokrax, Hermann

wurde am 7. Januar 1870 in Bornholte im Kreis Bielefeld geboren. Der Fleischermeister wohnte in Liemke Nr. 215b bei Bielefeld.
Kurz zuvor nach „Kriegssonderstrafrecht“ verurteilt, wurde Johanntokrax am 27. Mai 1942 in das Zuchthaus Hameln verlegt.
Hermann Johanntokrax starb am 16. Juni 1942 im Zuchthaus-Lazarett und wurde auf dem Friedhof Wehl bestattet.

Gruppenzugehörigkeit:  Zuchthausgefangene / Hameln

Jöhnk, Karl Torbald Richard

wurde am 22. August 1917 in Kiel geboren. Der Bote wohnte in Kiel, Ringstr. 71.
Kurz zuvor nach „Kriegssonderstrafrecht“ zu einer drakonischen Freiheitsstrafe verurteilt, wurde Jöhnk am 12. Mai 1943 in das Zuchthaus Hameln verlegt.
Im Herbst 1944 kam Jöhnk in das Zuchthaus-Außenlager Holzen zum mörderischen Arbeitseinsatz. Die erlittenen Strapazen ließen ihn bald erkranken, so dass er bald als 'nicht außenarbeitsfähig' nach Hameln zurückverlegt wurde.
Karl Jöhnk starb am 20. Februar 1945 im Zuchthaus-Lazarett und wurde auf dem Friedhof Wehl bestattet (Feld C I/111).
Jöhnks letzte Lebensphase beschreibt sein Leidensgenosse Hans Bielefeld:
„Karl Jöng ist nicht mehr. Der lange, hagere Marschensohn aus Holstein. Solange ich ihn kannte - und das war über ein Jahr - sah er aus wie der wandelnde Hungertod.... Er besaß ein seelisches Gleichgewicht... und eine Art Galgenhumor, die ihm alles Leid erträglicher machte.... Die Kumpels wunderten sich bloß, wie der so lange durchhielt, und hatten ihn schon längst abgeschrieben. Drei Tage nach Weihnachten war es soweit. Karl Jöng hatte sich zum Arzt gemeldet. Zwei Stunden später hieß es dann: ´Jöng fertigmachen zum Lazarett!´ Er kam nicht wieder.“

Gruppenzugehörigkeit:  Zuchthausgefangene / Hameln

Jokisch, Emil

Tscheche, wurde am 14. Juli 1881 in Niedergrund/Schlesien geboren. Der Invalide wohnte in Düsseldorf-Eller, Am Tornisch 10.
Seit 1935 als KPD-Funktionär in Haft, wurde Jokisch am 20. Juli 1937 in das Zuchthaus Hameln eingeliefert.
Am Tag seiner Entlassung, dem 9. Februar 1943, wurde er von der Polizei Hameln in „Schutzhaft“ genommen und in das Gerichtsgefängnis gebracht, um anderntags an die Gestapo Düsseldorf „überstellt“ zu werden. Jokisch wurde am 19. Oktober 1944 im KZ Sachsenhausen ums Leben gebracht.

Gruppenzugehörigkeit:  Zuchthausgefangene / Gestapogefängnis-Ghetto-KZ

Joly, Marcel

Belgier, wurde am 18. Januar 1920 in Halle bei Brüssel geboren. Der Soldat a.D. wohnte in Brüssel, rue Victor Lemet.
Marcel Joly war Mitglied einer der größten Widerstandsgruppen Belgiens, der „M.N.B“ (franz.: „Mouvement National Belge“). Die Geheime Feldpolizei nahm ihn am 7. Mai 1942 in seiner Wohnung „bei Nacht und Nebel“ fest und brachte ihn in das zentrale deutsche Wehrmachtsgefängnis Brüssel-St. Gilles.
Am 23. Dezember 1942 wurde er heimlich nach Deutschland in das Gefängnis Bochum verschleppt.
Am 22. Mai 1943 kam Marcel Joly mit einem großen Sammeltransport von 150 NN-Gefangenen in das Zuchthaus Hameln. Für NN-Gefangene bestand auch in Hameln eine strenge Isolationshaft mit Informations- und Kontaktverbot.
Am 29. April 1944 wurde Marcel Joly zusammen mit knapp 70 Belgiern und Franzosen des genannten Transports in das von alliierten Bomben nicht bedrohte Zuchthaus Groß Strehlitz in Oberschlesien weiterverlegt, den zentralen Zielort für NN-Verschleppte seit Frühjahr 1944 und bis zur Deportation in KZs im Herbst 1944.
Mit Räumung dieses Zuchthauses am 30. Oktober 1944 vor der herannahenden Roten Armee wurde Marcel Joly auf einen mörderischen Todesmarsch zum KZ Groß Rosen in Niederschlesien gezwungen, dem Hunderte seiner zumeist belgischen Leidensgenossen zum Opfer fielen.
Als das KZ Anfang Februar 1945 ebenfalls geräumt wurde, musste Marcel Joly einen Todesmarsch zum KZ Mittelbau-Dora in Thüringen mitmachen, den er nicht überlebte.
Marcel Joly starb am 13. April 1945 im befreiten KZ Mittelbau-Dora („Baracke 17“), zwei Tage nach Ankunft der US-Truppen.

Gruppenzugehörigkeit:  Zuchthausgefangene / Strafanstalten / Groß Strehlitz

Jonker-Roelants, Hendrik

Niederländer, wurde am 3. April 1899 in Schiedam geboren. Der Weinhändler wohnte in Schiedam, Tuinlaan 106.
Im April 1943 wurde Jonker-Roelants als Widerstandskämpfer von einem Gericht der deutschen Besatzungsmacht zu einer langjährigen Freiheitsstrafe verurteilt.
Marius Jonker-Roelants kam im Zuge der Räumung frontnaher Strafanstalten im Westen mit einem vielköpfigen Sammeltransport aus dem Zuchthaus Rheinbach bei Bonn am 16. September 1944 in das Zuchthaus Hameln.
Noch in demselben Monat wurde Jonker-Roelants in das Zuchthaus-Außenlager Holzen zum mörderischen Arbeitseinsatz gebracht. Wegen verschiedener Verletzungen kam er zwei Mal auf die Krankenstation und kehrte um die Jahreswende 1944/45 oder später nach Hameln zurück.
Marius Jonker-Roelants wurde am 27. März 1945 mit einem Sammeltransport von weit über 100 Männern in das Zuchthaus Celle bzw. das südöstlich von Celle gelegene Zuchthaus-Außenlager Krümme bei Wesendorf im Landkreis Gifhorn weiterverlegt. Dort traf er am 31. März mit einer Gruppe von Teilnehmern dieses Transports ein.
Bevor US-Truppen das Lager wenige Tage später, am 6. April 1945, erreichten, wurden die Lagerinsassen auf einen Todesmarsch in Richtung Zuchthaus Dreibergen bei Bützow gezwungen; sie mussten – anders als die Häftlinge des Zuchthauses Celle – zu Fuß gehen. Nach etwa zwei Tagen waren Marius Jonker-Roelants und drei weitere Männer so geschwächt oder krank, dass sie der Marschkolonne nicht mehr folgen konnten. Die kleine Gruppe wurde in die Fliegerschule Salzwedel gebracht, wo sie nach dem Rückzug des deutschen Militärs ohne Bewachung und Versorgung verblieb. Marius Jonker-Roelants war zwischenzeitlich an der Ruhr erkrankt. Erst nach der Befreiung Salzwedels durch die Amerikaner am 14. April 1945 kam er ins Krankenhaus.
Marius Jonker-Roelants starb am 1. Mai 1945 im Kreiskrankenhaus Salzwedel.
Er wurde am 5. Mai auf dem städtischen Friedhof Salzwedel bestattet (Feld 5, Reihe 16, Nr. 9) und soll am 17. August 1948 zusammen mit 24 Westeuropäern in die Heimat umgebettet worden sein. Nach seinem Grab haben die Nachkommen allerdings vergeblich geforscht, so dass erhebliche Zweifel an der Umbettung bestehen.

Gruppenzugehörigkeit:  Zuchthausgefangene / Von Celle nach Bützow-Dreibergen