Die Dokumentation der Opfer der NS-Herrschaft
in der Stadt Hameln und im Landkreis Hameln-Pyrmont
 

1.  Die Opfer unter den jüdischen Bürgern

1.1  Jüdische Bürger aus Hameln

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Behrendt, Gustav

wurde am 25. Juli 1880 in Hameln geboren. Er war der einzige Sohn der Eheleute Jacob und Friederike Behrendt. Der Kaufmann lebte bis zu seiner Deportation in der Bäckerstraße 25. Dort betrieb er ein Manufaktur- und Modewarengeschäft. Infolge der Boykottmaßnahmen musste er sein Geschäft aufgeben.
Am 9. November nahm die Hamelner Polizei Gustav Behrendt zusammen mit anderen jüdischen Männern in „Schutzhaft“ und sperrte ihn in das Gefängnis des Amtsgerichts. Anderntags wurde er in das Gestapo-Gefängnis Hannover verschleppt und anschließend – vermutlich für einige Monate – in das Konzentrationslager Buchenwald.
Im Alter von 61 Jahren wurde Gustav Behrendt am 31. März 1942 über Hannover-Ahlem in das Ghetto Warschau deportiert. Er gilt als „verschollen“.

Zur Erinnerung an Gustav Behrend wurde am 28. März 2014 vor dem Haus Bäckerstraße 25 ein Stolperstein verlegt.
Siehe die Webseite www.stolpersteine.geschichte-hameln.de

Behrens, Luise, geb. Behrend

wurde am 30. Juli 1893 in Hameln geboren. Sie wohnte in Gardelegen.
Am 2. April 1942 wurde sie in das Ghetto Warschau deportiert und ist dort verschollen.

Bernstein, Else

wurde am 27. Oktober 1891 als Tochter des Kaufmanns Kusel Bernstein und seiner Ehefrau Esther (Emma) in Hameln geboren.
Ihre fünf Geschwister, die Schwestern Paula, Thekla und Hedwig sowie die Brüder Karl und Max, wurden ebenfalls deportiert und ermordet.
Else Bernstein blieb unverheiratet und lebte in Lüdenscheid, Düsseldorf und später in Essen.
Am 27. Oktober 1941 – im Alter von 49 Jahren – wurde Else Bernstein aus Essen in das Ghetto Lodz deportiert und von dort am 8. Mai 1942 in das Vernichtungslager Chelmno.
Else Bernstein wurde am 9. Mai 1942 in Chelmno ermordet.

Bernstein, Karl

wurde am 13. November 1880 in Hameln als Sohn des Kaufmanns Kusel Bernstein und seiner Ehefrau Esther (Emma) geboren. Er heiratete die aus Obernkirchen stammende Paula Lion. Die Ehe blieb ohne Kinder.
Seine Ehefrau sowie seine fünf Geschwister, die Schwestern Paula, Thekla, Hedwig und Else sowie der Bruder Max, wurden ebenfalls deportiert und ermordet.
Karl Bernstein baute das von seinem Vater geerbte Manufakturwarengeschäft am Münsterkirchhof 13 zu einem der ersten 'Kaufhäuser' Hamelns aus.
Obwohl sein Geschäft von den Boykottmaßnahmen nach 1933 stark betroffen war, blieb es bis zur Pogrom vom 9. November 1938 geöffnet.
An diesem Tag wurde das Geschäft geplündert; Karl Bernstein selbst nahm die Hamelner Polizei zusammen mit anderen jüdischen Männern in „Schutzhaft“ und sperrte ihn in das Gefängnis des Amtsgerichts. Anderntags wurde er in das Gestapo-Gefängnis Hannover verschleppt und von dort für mehrere Monate in das Konzentrationslager Buchenwald.
Kurz nach seiner Entlassung musste er im Juni 1939 erneut für einige Wochen in Haft, weil er im Briefverkehr mit Behörden den vom NS-Regime aufgezwungenen zusätzlichen Vornamen 'Israel' nicht benutzt hatte.
Im September 1939 verließ Karl Bernstein Hameln und zog nach Köln-Sülz. Eine für den November 1939 geplante Ausreise nach Valparaiso (Chile) misslang wegen des nach Kriegsbeginn verhängten Ausreiseverbots. Karl Bernsteins letzter Wohnsitz war Berlin-Charlottenburg, Schlüterstraße 48.
Von dort wurde der 61jährige Mann am 15. August 1942 in das Ghetto Riga deportiert. Als Todesdatum gilt der 18. August 1942.

Zur Erinnerung an Karl Bernstein und seine Familie wurden am 29. Januar 2015 vor dem Haus Münsterkirchhof 13 zwei Stolpersteine verlegt.
Siehe die Webseite www.stolpersteine.geschichte-hameln.de

Bernstein, Max

wurde am 25. Juli 1895 als Sohn des Kaufmanns Kusel Bernstein und seiner Ehefrau Esther (Emma) in Hameln geboren.
Seine fünf Geschwister, die Schwestern Paula, Thekla, Hedwig und Else sowie der Bruder Karl, wurden ebenfalls deportiert und ermordet.
Max Bernstein floh in die Niederlande, wo er am 21. August 1937 heiratete.
Zweieinhalb Jahre nach der Okkupation der Niederlande durch die Wehrmacht, am 28. November 1942, wurde Max Bernstein in das Sammellager Westerbork verschleppt, ein KZ auf niederländischem Boden.
Von Westerbork wurde der 52jährige am 25. Mai 1943 in das Vernichtungslager Sobibor deportiert und kurz nach seiner Ankunft, am 28. Mai 1943, ermordet.