Orte der Erinnerung für die Opfer des Nationalsozialismus
im Kreis Hameln-Pyrmont und angrenzenden Orten

Hameln

Texte und Fotos: Bernhard Gelderblom
 

Jüdischer Friedhof

Lage und Größe:   an der Sandstraße (östlich des alten Zentrums); 2001 qm von ursprünglich 2126 qm
 
Bestand an Steinen:   173 Steine (1741 bis 1937); zahlreiche leere Grabfelder und -sockel; ein Bestand von ca. 100 Steinen ist durch Zerstörung verloren gegangen 
 
Daten zur Geschichte:   Vorgängerfriedhof 1761/62 durch den Festungsbau ruiniert
1743 Kauf eines Grundstücks durch die jüdische Gemeinde außerhalb der Stadt "Am Sandfelde"
Torpfosten aus dem Jahre 1827
1880 Erweiterung des Friedhofs um 1248 qm durch Zukauf eines westlich angrenzenden Gartens und Schaffung eines neuen Zugangs von Norden (Scharnhorststraße)
9. 11. 1938 Zerstörung des gesamten Steinbestandes
1943 Verpachtung des Geländes und Verkauf des gesamten Bestandes an Steinen durch die RV an einen Steinmetzen (1945 rückgängig gemacht)
1946 auf Anordnung der Besatzungsmacht Wiederherstellung des Friedhofes und Versuch einer Rekonstruktion der alten Ordnung; 1963 Abriss der alten Backsteinumfassung und Bau einer neuen Einfriedung durch die Stadt Hameln (im Gegenzug Abtretung von ca. 120 qm an die Stadt Hameln für eine Straßenerweiterung im Bereich Sandstraße)
seit Ende der 90er Jahre neue Belegungen und Übernahme der Pflege durch die jüdische Kultusgemeinde Hameln
 

Unter www.juedische-geschichte-hameln.de findet sich vom Verfasser eine ausführliche und reich bebilderte Darstellung des Hamelner Friedhofes. Die genannte Website enthält neben Ausführungen zur Geschichte des Friedhofes z. B. auch einen Rundgang.

 
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Mahnmal für die zerstörte Synagoge in der Bürenstraße

Die Inschrift auf dem Gedenkstein

Menschen verstummen - Steine reden immer.
Zum Gedenken an den Untergang
der jüdischen Gemeinde Hameln
in den Jahren 1933-1945.

Künstlerische Gestaltung:   Hans-Jürgen Breuste, Hannover
Auftraggeber:   Gesellschaft für christlich-jüdische Zusammenarbeit Hameln
Eingeweiht:   30. August 1996
 

 
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Die fünf Namenstafeln

Dieses Mahnmal ist zur Erinnerung an die jüdischen Bürgerinnen und Bürger Hamelns errichtet worden. Sie waren Deutsche, und viele lebten seit Generationen in dieser Stadt.

In der Zeit des Nationalsozialismus – 1933-1945 – wurden sie ohne nennenswerten Protest der Bevölkerung von Bürgern der Stadt entrechtet und gedemütigt. Sie wurden verjagt, in den Selbstmord getrieben oder deportiert und in den Vernichtungslagern ermordet.

Ihre Namen sind, soweit bekannt, auf diesen Tafeln verzeichnet.

Es folgen 99 Namen.

"Mögen ihre Seelen eingebunden sein in das Bündel des Lebens."
 

Die Widmungstafel

An dieser Stelle stand seit 1879 die Synagoge, das Gebetshaus der jüdischen Gemeinde Hameln. In der Nacht des 9. November 1938 haben Hamelner Nationalsozialisten die Synagoge geplündert und niedergebrannt. Grabsteine auf dem jüdischen Friedhof wurden zerschlagen und zehn jüdische Männer in das Konzentrationslager Buchenwald verschleppt.
 

Die Textplatte mit einem Zitat von Elie Wiesel

Das Gegenteil von Liebe ist nicht Hass, sondern Gleichgültigkeit.
Das Gegenteil von Hoffnung ist nicht Verzweiflung,
das Gegenteil von Erinnerung und Gedächtnis nicht Vergessen,
es ist wiederum Gleichgültigkeit.

Nur Erinnerung kann gegen sie ankämpfen.

Wenn wir aus dieser Gleichgültigkeit ausbrechen,
kann die Vergangenheit mit all dem Grauen, das sie enthält,
ein Schutzschild für die Menschheit werden.

Elie Wiesel  

 
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Tafel am „Judenhaus“ Neue Marktstraße 13

Im „Judenhaus“ Neue Marktstraße 13 wurden auf Anordnung der Stadtverwaltung die Hamelner jüdischen Menschen seit Herbst 1939 auf engstem Raum untergebracht, bis sie im März bzw. Juli 1942 deportiert wurden.

Die Tafel, die auf Anregung der Gesellschaft für christlich-jüdische Zusammenarbeit zu einem nicht genauer bekannten Zeitpunkt in den frühen 1980er Jahren angebracht wurde, weist mehrere Fehler auf. Die Einrichtung der Judenhäuser geschah im Herbst 1939; die Deportationen erfolgten im Jahre 1942. Schwerwiegend ist, dass ein Hinweis auf den Verantwortlichen, die Hamelner Stadtverwaltung, fehlt.  


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„Judenhaus“ Pferdemarkt 8

Das zweite der beiden von der Stadtverwaltung eingerichteten Hamelner „Judenhäuser“ war das Haus Pferdemarkt 8. Dieses Haus weist bis heute keine Erinnerungstafel auf.


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Tafel am Michaelishof 

Der 1989 so genannte Michaelishof hat 2013 eine korrigierte Tafel zur Erläuterung der Namensgebung erhalten.
Die Tafel befindet sich am Museumsgebäude. 


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Der Friedhof Am Wehl  –  Gräberfelder von NS-Opfern

Der Friedhof Am Wehl enthält an verschiedenen Orten Gräberfelder von NS-Opfern, und zwar für die Toten des Zuchthauses Hameln und für Zwangsarbeiterinnen und Zwangsarbeiter.
Außerdem sind hier ausländische Kriegsgefangene bestattet, insbesondere Russen und Serben aus dem Ersten Weltkrieg.

Angestoßen durch den Volksbund Deutsche Kriegsgräberfürsorge e.V. hat sich der Leistungskurs Geschichte am Albert-Einstein-Gymnasium Hameln mit seinem Lehrer Bernhard Gelderblom seit dem Herbst 2004 mit der Geschichte der Kriegsgräber auf dem Friedhof Wehl beschäftigt und Texte für Geschichts- und Erinnerungstafeln formuliert.

 
Gräberfeld für die Toten des Zuchthauses Hameln in der NS-Zeit auf dem Friedhof Am Wehl

Geschichts- und Erinnerungstafel für die Toten des Zuchthauses

An dieser abgelegenen Stelle des Friedhofes wurden in den Jahren 1944 und 1945 die Opfer des Zuchthauses Hameln bestattet. So wie die schlimme Situation im Zuchthaus Hameln insgesamt in den Jahren nach dem Kriege vergessen und verdrängt worden ist, so hat man die Toten des Zuchthauses nicht als Opfer der NS-Gewaltherrschaft sehen wollen. Ihre Gräber wurden nach Ablauf von 30 Jahren im Jahre 1975 beseitigt, obwohl sie als Kriegsopfer Anspruch auf dauerndes Ruherecht gehabt hätten. Erst 60 Jahre später, im Jahr 2005, wurde die Informationstafel errichtet, die an das Schicksal dieser Menschen erinnern soll. Im Jahr 2006 haben Jugendliche im Rahmen eines internationalen Jugendlagers des Volksbundes Deutsche Kriegsgräberfürsorge die verwilderte Fläche wieder hergerichtet.

Im Zuchthaus Hameln wurden die Haftbedingungen mit dem Jahre 1933 erheblich verschärft. Neben der Überfüllung, der harten Disziplin und dem zwölfstündigen Arbeitstag setzte besonders mangelhafte Ernährung den Häftlingen zu.

In dem alten Bau an der Weser waren vor allem die politischen Gegner der Nationalsozialisten inhaftiert. Mit Kriegsbeginn traten die sogenannten „Kriegstäter“ hinzu, z. B. Männer, die ausländische Sender abgehört oder „schwarz“ geschlachtet hatten. Homosexuelle und Juden bildeten unter den Häftlingen kleine Minderheiten. Für die meisten politischen Häftlinge bedeutete das Ende der Haftzeit nicht Freilassung, sondern die „Verschubung“ in ein Konzentrationslager. Seit 1942 waren außerdem zahlreiche Widerstandskämpfer aus Frankreich, Belgien und den Niederlanden in Hameln inhaftiert.

Gegen Kriegsende herrschten im Zuchthaus Hameln durch totale Überbelegung und Vernachlässigung derart katastrophale Bedingungen, dass ca. 450 Männer zu Tode kamen. Zwei Todesmärsche, auf die kurz vor der Befreiung jeweils über 400 Häftlinge geschickt wurden, forderten zahlreiche weitere Opfer.

Die Wahl des Beerdigungsplatzes ganz am Rande des Friedhofes trug dem Ort bei den Häftlingen den Namen „Verbrecherfeld“ ein. Nach dem Kriege wurde das Gräberfeld einheitlich mit Efeu bepflanzt und die Grabhügel mit Nummernschildern versehen. Nur sehr wenige bescheidene Grabsteine waren von Angehörigen gesetzt worden.

Der überwiegende Teil der ausländischen Zuchthausopfer wurde nach dem Krieg in die Heimatländer bzw. auf Sammelfriedhöfe überführt. 16 Gräber von ausländischen Zuchthausopfern liegen seit 1972 auf dem Feld F II des Friedhofes Wehl.


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Gräberfeld für ausländische Kriegsopfer des Zweiten Weltkrieges

 Geschichts- und Erinnerungstafel für ausländische Kriegsopfer des Zweiten Weltkrieges

Auf dieser Kriegsgräberstätte sind 16 aus Frankreich, Belgien und den Niederlanden stammende Opfer des Zuchthauses Hameln und 24 Zwangsarbeiterinnen und Zwangsarbeiter bestattet. Das Gräberfeld entstand im Jahre 1972 durch Überführungen aus anderen Bereichen des Friedhofes „Am Wehl“.

Zunächst zu den 16 Opfern des Zuchthauses Hameln. Im Zuchthaus Hameln waren zeitweise vor allem die politischen Gegner der Nationalsozialisten inhaftiert, also Kommunisten und Sozialdemokraten. Seit 1942 wurden außerdem zahlreiche Widerstandskämpfer aus Frankreich, Belgien und den Niederlanden in das Zuchthaus Hameln eingeliefert.

Gegen Kriegsende herrschten dort durch extreme Überbelegung und Vernachlässigung derart katastrophale Bedingungen, dass in den Monaten vor und nach der Befreiung am 7. April 1945 etwa 450 Männer zu Tode kamen. Zwei Todesmärsche, auf die kurz vor der Befreiung jeweils über 400 Häftlinge geschickt wurden, forderten zahlreiche weitere Opfer.

Die vielen Toten des Zuchthauses wurden ganz am Rande des Friedhofes „Am Wehl“ (Feld C I) bestattet. Nach dem Krieg wurde der überwiegende Teil der ausländischen Zuchthausopfer in die Heimatländer bzw. auf Sammelfriedhöfe überführt. 16 Leichen von ausländischen Zuchthausopfern wurden 1972 auf dieses Feld verlegt, bevor die restlichen Zuchthausgräber 1975 widerrechtlich beseitigt wurden.

Neben den 16 Opfern des Zuchthauses gibt es hier 24 Gräber von Zwangsarbeiterinnen und Zwangsarbeitern, die vor allem aus Polen und der Sowjetunion stammten. Jahrelange schlechte Behandlung und die dramatische Verschlechterung der Versorgung in den letzten Monaten des Krieges forderten unter den Zwangsarbeiterinnen und Zwangsarbeitern viele Opfer. Aus diesem Kreis starben 360 Männer, Frauen und Kinder. Weil angeordnet worden war, dass „Ostarbeiter und Polen genügend getrennt von den deutschen Volksgenossen zu bestatten“ seien, wurden diese in Hameln überwiegend auf dem bereits belegten sogenannten „Russenfriedhof“ beigesetzt. Wo die 1972 hierher verlegten 24 Leichname von Zwangsarbeiterinnen und Zwangsarbeitern ursprünglich bestattet waren, lässt sich nicht mehr feststellen.

Auch Kinder wie der Franzose Bertrandt Thiebault (28. 2. 1941 - 20. 7. 1943) und die Niederländerin Monika Jansen (18. 2. 1944 - 26. 7. 1945) sind hier bestattet.


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Gräberfeld für verstorbene russische und serbische Kriegsgefangene aus dem Ersten Weltkrieg und für ausländische Kriegsopfer des Zweiten Weltkrieges

Geschichts- und Erinnerungstafel für die verstorbenen russischen und serbischen Kriegsgefangenen des Ersten Weltkrieges

Kurz nach Beginn des Ersten Weltkrieges wurde in Hameln auf dem Exerzierplatz am Reimerdeskamp ein riesiges Kriegsgefangenenlager gebaut. Die ersten Gefangenen, vor allem Serben, vegetierten in Zelten, dann in Erdhöhlen. Erst später wurden Baracken gebaut. In den über 60 Wohnbaracken lebten insgesamt ca. 8000 Kriegsgefangene aus Russland, Serbien, Frankreich, Belgien und England.

Die russischen und serbischen Soldaten waren separat von den übrigen Gefangenen einquartiert. Unter den oft unterernährten Russen und Serben traten verstärkt Fälle von Cholera und Hungertyphus auf. Für die vielen Todesfälle wurde 1917 neben dem Lager ein großer Friedhof eingeweiht.

Nach dem Ende des Ersten Weltkrieges wurden die Gefangenen aus den westlichen Ländern entlassen. Wegen des Krieges zwischen der Sowjetunion und Polen war jedoch den Russen der Weg in ihre Heimat versperrt. So wurde das Lager zum Internierungslager ausschließlich für sowjetische Soldaten. Etwa 3500 Insassen soll das Lager gehabt haben. Es dauerte bis zum April 1921, bis die Internierten endlich in ihre Heimat abgeschoben werden konnten.

Aus dieser Zeit bürgerten sich für das Lager und seinen Friedhof in der Hamelner Bevölkerung die Namen „Russenlager“ und „Russenfriedhof“ ein, Bezeichnungen, die sich teilweise bis heute gehalten haben.

Auf dem Kriegsgefangenenfriedhof „Am Wehl“ lagen 999 Personen, weitere fünf auf dem jüdischen Friedhof. Die Westeuropäer wurden (bis auf zwei Belgier) 1925 und 1926 in ihre Heimatländer überführt oder auf zentrale Sammelfriedhöfe in Deutschland umgebettet. Heute liegen hier 759 russische, serbische und belgische Soldaten, dazu weitere zwei russische Soldaten auf dem Jüdischen Friedhof in der Scharnhorststraße.

Für die Kriegsgefangenen des Ersten Weltkrieges wurde anlässlich der Einweihung des Friedhofes 1917 ein Denkmal gesetzt, das aus Spenden der Lagerinsassen errichtet werden konnte. Das große hölzerne Kruzifix soll 1917 auf Veranlassung des Lagerpfarrers in Oberammergau geschnitzt worden sein. Aus der Zeit des Ersten Weltkriegs stammen die langen Reihen von Bodenplatten, die Namen russischer, serbischer und belgischer Soldaten tragen.
 


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Gräberfeld für verstorbene russische und serbische Kriegsgefangene aus dem Ersten Weltkrieg und für ausländische Kriegsopfer des Zweiten Weltkrieges

 

Wiederverlegung eines Grabsteins für den polnischen Zwangsarbeiter January Wojnarowski,
verstorben am 4. Oktober 1944

Am 8. Juni diesen Jahres entdeckte Edward Menking, Vorstandsmitglied des Vereins für regionale Kultur- und Zeitgeschichte Hameln e.V., auf dem Friedhof Wehl in einem zur Abfuhr bestimmten Haufen von Grabmälern aufgelassener Gräber des Friedhofes per Zufall eine Platte. Bei näherem Hinschauen stellte sich heraus, dass es sich um die Grabplatte des polnischen Zwangsarbeiters January Wojnarowski, verstorben am 4. Oktober 1944, gehandelt hat.

Wie Edward Menking im Stadtarchiv ermittelte, wurden bei der im Jahre 1963 begonnenen Umgestaltung des Gräberfeldes für die ausländischen Kriegsgefangenen und Zwangsarbeiter durch den Volksbund für Kriegsgräberfürsorge insgesamt ca. 190 Platten entfernt und durch Sammelinschriften auf mehreren Stelen ersetzt, die dekorativ auf der großen Gräberfläche verteilt wurden.

Dass sich von den ca. 190 Platten die Grabplatte für den polnischen Zwangsarbeiter January Wojnarowski erhalten hat, ist einem weiteren Zufall zu verdanken. Sie ist – mit der Schriftseite nach unten – vermutlich als Trittstein verwendet worden. Als die Familiengrabstätte, auf der sie vermutlich gelegen hat, 2016 abgeräumt wurde, wanderte sie zum Steinschutt.

In den Hamelner Forschungen zur Zwangsarbeit wird January Wojnarowski an zwei Stellen erwähnt:

sowie

Über das Leben von January Wojnarowski war nur wenig in Erfahrung zu bringen. Danach wurde er wahrscheinlich am 18. September 1926 in Sarny im Kreis Rowno in der heutigen Ukraine geboren. Deutsche Behörden verschleppten ihn als Jugendlichen zusammen mit seiner Mutter Alexandra Wojnarowska zu einem nicht überlieferten Zeitpunkt zur Zwangsarbeit nach Hameln. January musste in der Hamelner Gärtnerei Schrader (seinerzeit Breiter Weg 5a) arbeiten.

January Wojnarowski starb im Alter von 18 Jahren am 4. Oktober 1944 im Stadtkrankenhaus Hameln. Die Eintragung im Sterbebuch nennt als Todesursache eine Sepsis bzw. Gesichtsphlegmone sowie Kreislaufschwäche. Er wurde auf dem Kriegsgefangenenfriedhof am Rande des Friedhofs Wehl (Feld KGF B 39) am 6. Oktober 1944 durch den römisch-katholischen Pfarrer Hövelmann bestattet.

Die Mitarbeiter des Friedhofsamtes, Herrn Bruns, Frau Vogt, Herrn Marcek und Herr Mitschke, waren sofort dazu zu gewinnen, den Stein erneut zu verlegen. Der Ort, den der Stein nun erhalten hat, entspricht nicht ganz der ursprünglichen Grablage. Auf dem Feld KGF B 39 liegen – dekorativ verteilt – Grabplatten der russischen und serbischen Kriegsgefangenen des Ersten Weltkriegs.

Da bei der Beschriftung der Stelen die Eintragung des Namens von January Wojnarowski offenkundig vergessen wurde, erinnert nun der neu verlegte Grabstein an sein kurzes Leben.

Am 11. Oktober 2016 um 11 Uhr wurde in einer kleinen Gedenkzeremonie die Grabplatte von January Wojnarowski wiederverlegt. Bürgermeisterin Ursula Wehrmann, Vertreter der Verwaltung der Stadt Hameln sowie des Vereins für regionale Kultur- und Zeitgeschichte e.V. waren anwesend.

Text:  Bernhard Gelderblom

Fotos:  Joachim Schween


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Geschichts- und Erinnerungstafel für die ausländischen Kriegsopfer des Zweiten Weltkrieges

Im Zweiten Weltkrieg wurde der im Ersten Weltkrieg angelegte „Russenfriedhof“ erneut genutzt. Die in Hameln gestorbenen Zwangsarbeiterinnen und Zwangsarbeiter sind hier überwiegend in Massengräbern bestattet. Außerdem wurden auf diesem Gräberfeld gefallene ausländische Soldaten beigesetzt.

Wie konnte es dazu kommen, dass auf den Kriegsgräbern des Ersten Weltkriegs 25 Jahre später erneut bestattet wurde? Durch Ministerialerlass vom 27. Oktober 1941 war angeordnet worden, dass „Ostarbeiter und Polen genügend getrennt von den deutschen Volksgenossen zu bestatten“ seien. So verfiel man am 26. Juli 1943 auf die Idee, Polen und Ostarbeiter, aber auch ausländische Soldaten auf dem „Russenfriedhof“ zu bestatten.

Die genaue Zahl der hier bestatteten Personen lässt sich nicht ermitteln. In der Stadt Hameln und im damaligen Landkreis Hameln-Pyrmont sind während des Krieges 360 Todesfälle von Zwangsarbeiterinnen und Zwangsarbeitern registriert worden. Darunter waren 53 Frauen und 89 Kinder. Die meisten starben an den schlechten Lebensbedingungen der letzten Monate des Krieges.

Außerdem wurden hier mindestens 39 ausländische Soldaten bestattet. Dabei handelt es sich vorwiegend um die Leichen britischer und amerikanischer Piloten. Von diesen Menschen sind jedoch keine Namen bekannt. Laut einem Erlass des Reichsministers des Innern vom 7. Mai 1943 unterlagen tote alliierte Flieger „nicht der Beurkundung durch den örtlich zuständigen Standesbeamten“. Auf diese Weise sollten die verbreiteten Lynchmorde an abgeschossenen oder notgelandeten Fliegern verborgen gehalten werden.

Die aus den westlichen Nationen stammenden Zwangsarbeiterinnen und Zwangsarbeiter (mindestens 20 aus Belgien, 30 aus Frankreich, 32 aus den Niederlanden und 14 aus Italien) sowie die neun britischen und 30 amerikanischen Soldaten wurden nach dem Kriege in ihre Heimatländer gebracht oder auf zentralen Friedhöfen in Deutschland zusammengefasst. Heute liegen hier aus der Zeit des Zweiten Weltkrieges über 300 Zwangsarbeiterinnen und Zwangsarbeiter aus der Sowjetunion und Polen. Ihre Namen finden sich auf den aus rotem Sandstein gefertigten Stelen. Die Sowjetunion setzte ihren Toten aus dem Zweiten Weltkrieg einen Gedenkstein.
 

Text: Leistungskurs Geschichte 2004/05 am Albert-Einstein-Gymnasium Hameln mit seinem Lehrer Bernhard Gelderblom
Auftraggeber:   Volksbund Deutsche Kriegsgräberfürsorge e.V.
Eingeweiht:   12. Dezember 2005
 


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Gebäude des ehemaligen Zuchthauses Hameln (heute Hotel Stadt Hameln)

Der Abriss des Zellenhauses (1986) und die Errichtung des Hotels Stadt Hameln (1992) im ältesten Gebäudebestand haben das ehemalige Zuchthaus gänzlich aus dem Stadtbild getilgt. Es scheint, als sei damit auch die Erinnerung an das Leiden und den Tod vieler Häftlinge in der Zeit der nationalsozialistischen Herrschaft ausgelöscht.

Unmittelbar nach dem Machtantritt der Nationalsozialisten wurden in der Hamelner Strafanstalt politische Häftlinge, vor allem Sozialdemokraten und Kommunisten, eingeliefert. 1935 wurde das Gefängnis zum Zuchthaus. Seit 1939 kamen "Kriegswirtschaftsverbrecher", "Sittlichkeitsverbrecher", Verbrecher gegen "die deutsche Ehre" und Fahnenflüchtige hinzu. 1940 wurden die ersten Ausländer eingeliefert, 1944 z.B. 200 politische Häftlinge aus Frankreich, den Niederlanden und Belgien, die in strengster Isolation leben mussten.

Im Herbst 1944 verschlechterte sich die Situation im Hamelner Zuchthaus dramatisch. Hameln wurde eine Art Umschlaghafen für frontnahe Zuchthäuser im Westen und Osten. Im März 1945 war das Zuchthaus mit 1350 Insassen völlig überbelegt.

In den letzten Kriegstagen ordnete der NSDAP-Kreisleiter an, die politischen bzw. kommunistischen Häftlinge zu ermorden, um sie nicht in die Hände der Amerikaner fallen zu lassen. Ein "Todesmarsch" führte am 5. April 1945 von Hameln den Ith entlang in das Außenlager Holzen des Zuchthauses (bei Eschershausen), ein zweiter vom Außenlager Holzen über ca. zehn Tage ins Zuchthaus Bützow-Dreibergen in Mecklenburg. Über 600 Häftlinge starben wegen der unmenschlichen Haftbedingungen und auf den Todesmärschen.


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Tafel für die Toten des Zuchthauses Hameln am Weserufer

Lange fehlte jeglicher Hinweis, der an das schreckliche Leid, das zahlreiche Häftlinge hier erdulden mussten, erinnerte. Am 8. Mai 2006 errichtete die Stadt Hameln eine Gedenktafel am Weserufer auf städtischem Grund.

Erinnerungstafel an die Opfer des Zuchthauses Hameln in der NS-Zeit

Im Bereich der heutigen Park- und Hotelanlage befand sich bis 1980 eine Strafanstalt. In den Jahren der NS-Diktatur von 1933-1945 waren im damaligen Zuchthaus überwiegend politische Gegner der Nationalsozialisten inhaftiert, vor allem Sozialdemokraten und Kommunisten, aber auch Homosexuelle und Juden. Von 1942 bis 1945 wurden zahlreiche Widerstandskämpfer aus Frankreich, Belgien und den Niederlanden eingeliefert.

Die unmenschlichen Haftbedingungen im Zuchthaus forderten allein während des 2. Weltkrieges über 300 Todesopfer. Die Evakuierung des Zuchthauses in den ersten Apriltagen 1945 wurde für weitere Häftlinge ein Marsch in den Tod.

Im Bewusstsein des begangenen Unrechts erinnern wir an die Opfer.

Stadt Hameln Der Oberbürgermeister
 

Text: Bernhard Gelderblom
Auftraggeber:   Stadt Hameln
Eingeweiht:   8. Mai 2006
 


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Das ehemalige Gerichtsgefängnis des Hamelner Amtsgerichts

Das im Hauptstaatsarchiv Hannover erhaltene Gefangenenbuch des Gerichtsgefängnisses verzeichnet Zu- und Abgänge für die Zeit des Dritten Reiches. Schaut man auf die langen Reihen der Eintragungen, so wird deutlich, in welch hohem Maße die Polizei damals ausländische Zwangsarbeiter einlieferte, um sie anschließend teilweise in ein Arbeitserziehungslager zu überstellen.

Das Gerichtsgefängnis diente aber noch zu einem anderen Zweck. Hier brachte die Justiz Häftlinge unter, die, obwohl sie ihre Strafe im Hamelner Zuchthaus abgesessen hatten, der Gestapo zur Einlieferung in ein Konzentrationslager übergeben wurden. Dies betraf vor allem politische Häftlinge, homosexuelle Mehrfachtäter und – ausnahmslos – Juden. Viele dieser Häftlinge haben die Zeit im Konzentrationslager nicht überlebt.


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Walkemühle als Zwangsarbeitslager

 
Einmann-Bunker an der Wallbaumstraße

Einmann-Bunker an der Wallbaumstraße für die Wachmänner der Lager an der Kuhbrückenstraße. In den Lagern an der Kuhbrückenstraße waren Kriegsgefangene und Zwangsarbeiter vor allem der Domag und der Kaminski-Werke untergebracht, die beide Rüstungsgüter herstellten.
 

Tafel am Hochzeitshaus


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Hameln-Holtensen
Grabmal für den russischen Zwangsarbeiter Alexander Nepomnjaschi am Lengeberg

Alexander Nepomnjaschi wurde im April 1945 in Holtensen auf halber Höhe des Lengeberges in freier Natur begraben. Dieses Grab war über viele Jahre von einer Holtenser Familie, die einen Sohn in Russland verloren hatte, gepflegt worden. Nachdem die Stätte sichtbar verfiel, haben sich andere Holtenser Bürger in vorbildlicher Weise des Grabes angenommen und am 13. November 2005 einen Grabstein für den Russen gelegt. Dieser trägt die Inschrift:

Hier ist begraben
Alexander
Nepomnjaschi
geb. am 2. März 1915
in Rostov, Bz. Moskau

Als Zwangsarbeiter
war er auf einem Hof
in Holtensen eingesetzt
und wurde an dieser Stelle
von Wehrmachtsangehörigen
Anfang April 1945
widerrechtlich erschossen.

Wir bitten um Vergebung.
Holtensen 2005

Text: Bernhard Gelderblom
Auftraggeber:   Privatinitiative Holtenser Bürger
Eingeweiht:   13. November 2005

 
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